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Gewalt ist (k)eine Lösung –
​​​​​​​Fachtag zum Thema „Konflikte im öffentlichen Raum“

Gewalt im öffentlichen Raum ist momentan, besonders transportiert durch die Medien, wieder in aller Munde – "Krawallnacht" in Stuttgart, Silvester in Berlin, Attacken in Illerkirchberg, Freudenberg, Wunsiedel oder gewalttätige Cliquen in Freibädern. 
Sind es Jugendliche und Kinder, die sich bewaffnen und bereit sind, Waffen in Auseinandersetzungen zu benutzen?  – „Ohne Messer geht heute niemand mehr aus dem Haus“, so eine Fachkraft der MJA. Muss gar wieder vom „Ende der Unschuld“ unter Jugendlichen gesprochen werden, wie eine Schlagzeile der Stuttgarter Zeitung 2017 nahelegte? Oder ist alles gar nicht so schlimm und Jugendliche werden nur erneut stigmatisiert?
Fachkräfte beobachten Gewaltphänomene unter jüngeren Jugendlichen und suchen nach geeigneten pädagogischen Interventionen.  Bernd Holthusen (Deutsches Jugendinstitut, München) wird uns am Vormittag einen Überblick über Zahlen, Daten und Fakten zu diesem Phänomen geben und dieses einordnen. Der Nachmittag bietet in Workshops zu verschiedenen Themen – von der Reflexion gewaltfördernder Männlichkeitsanforderungen über Aufgaben und Grenzen in unserer Arbeit bis zu Fragen von Zivilcourage und Eigenschutz – gute Möglichkeiten sich praxisorientiert auszutauschen und Handlungssicherheit zu gewinnen. 

Zielgruppe: Der Fachtag richtet sich an pädagogische Fachkräfte, die in ihrer Praxis mit jungen Menschen im öffentlichen Raum arbeiten.
Kosten: 35,00 Euro (inkl. Verpflegung)

Vortrag

Junge Menschen und Gewalt: aktuelle Daten, mediale Diskurse und fachpolitische Thesen 
Bernd Holthusen, DJI München

Der Vortrag fokussiert auf Gewalttaten im Kindes- und Jugendalter. Anhand der polizeilichen Hellfelddaten werden die Entwicklungen in den letzten Jahren differenziert nach verschiedenen Formen von Gewalttaten, nach Altersgruppen und Geschlecht vorstellt. Ebenfalls in den Blick genommen werden Daten zur Viktimisierung von jungen Menschen. Vor diesem Hintergrund werden aktuelle medialen Debatten z. B. über das Mitführen von Messern oder über besonders schwere Taten von Strafunmündigen (z.B. Freudenberg) eingeordnet. In einem weiteren Teil wird auf Ausschreitungen von Gruppen junger Menschen im öffentlichen Raum und die Bedeutung der Gruppendynamik eingegangen und auch einen Blick auf anschließenden Reaktionen von Politik, Polizei und Jugendhilfe geworfen.
Der Vortrag schließt mit Thesen zu Ursachen und Präventionsmöglichkeiten, die dann weiter im Verlauf der Veranstaltung diskutiert werden könnten

Workshops

WS 1: Professionelles Schweigen und Handeln (bei Konflikten) im öffentlichen Raum
Wer mit Gewalt bzw. mit gewalttätigem Verhalten konfrontiert wird, steht oft auch vor der Frage, wie darauf fachlich angemessen zu reagieren ist und welche rechtlichen Aspekte zu beachten sind. 
Was ist meine Rolle als Fachkraft? Wer darf eigentlich was (Polizei, KOD, Sicherheitsdienst, etc.)? Wie gehe ich mit „brenzligen“ Situationen um? Was gibt mir Sicherheit und was verunsichert mich? Wo liegen Grenzen fachlichen Handelns? 
Neben dem fachlichen Austausch soll gemeinsam mit den Teilnehmenden anhand eigener Erfahrungen und Erlebnisse ein Orientierungsrahmen gesteckt werden, der vor Ort mehr Rechts- und Handlungssicherheit gibt.

Referent:in: Sascha Wagner, MJA Ulm-Mitte/Ost & Chrissi Bollig, Servicestelle LAG Mobile Jugendarbeit/ Streetwork BW e.V. 

WS 2: Eigene Sicherheit und Eigenschutz
Im Alltag der Mobilen Jugendarbeit stehen wir oft vor Situationen, die uns an unsere Grenzen bringen. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und auch zu verdeutlichen - im Alltag aber auch in „brenzligen“ Situationen! Wie kann die Energie genutzt werden, die (gewalttätigen) Konflikten innewohnt. Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung endet unsere Arbeit jedoch nicht, sie geht weiter. Und das am Besten ohne uns zu gefährden und uns zu überfordern. 

Referentin: Sabine Schäfer, Diplom Psychologin, Ausbildungen Systemische Therapie und Beratung, Gesprächsführung nach Rogers, Traumatherapie. (U. a. Erfahrung in der Supervision und Beratung für soziale Einrichtungen, Konflikt- und Stressmanagement. https://relevant-info.de/  )

WS 3: Geschlechterspezifische Aspekte in der Gewalt & Gewaltbereitschaft von Jugendlichen
In diesem Workshop eruieren wir die Erfahrungen der Teilnehmer:innen mit gewaltbereiten jungen Menschen und  gehen der Frage nach, inwiefern dieses Verhalten mit Geschlechterrollen zu tun haben kann. Im Austausch geht es auch um unsere eigene fachliche Haltung und mögliche geschlechterspezifischen Ansichten darin. 
Zusammenfassend soll so ein Blick für die tägliche Arbeit entwickelt werden, der uns in der Praxis hilft, entsprechend zu handeln und reflektieren zu können.

Referent:in: Katharina Huber, MJA Metzingen (1.Vorsitzende LAG Mobile Jugendarbeit/ Streetwork BW e.V.) & Micha Glück, Schulsozialarbeit Neckartenzlingen (Dipl. Sozpäd. FH, zertif. Jungenarbeiter)


WS 4: Wenn das Smartphone zur Waffe wird – Soziale Medien und Gewalt
Täglich geschieht es, dass an Schulen Straftaten begangen werden – und das mit dem Smartphone…
Nacktbilder einer Mitschülerin tauchen auf dem Handy auf! Im Klassenchat wird ein Schüler gemobbt! Bilder mit Hakenkreuzen gehen durch die Schule! Eine 13jährige wird über Roblox erpresst! In Memes wird ein Lehrer beleidigt! Das alles passiert täglich an deutschen Schulen – auch wenn Lehrkräfte und Eltern oft nicht viel davon mitbekommen. Doch wie reagieren, wenn man von so einen Vorfall hört? Wie sieht die Rechtslage aus? Wen muss man informieren? Und wie hilft man den Betroffenen? Nicht nur Eltern, sondern auch Lehrkräfte, Schulleitungen und Sozialarbeiter:innen sind mit solchen Fragen mitunter überfordert. 
In diesem Workshop gehen wir anhand von Fallbeispielen genau diesen Fragen nach und machen uns fit im Umgang mit Smartphone-Delikten. 

Referentin: Saskia Nakari, Medienpädagogin und Referentin für Jugendmedienschutz, Stadtmedienzentrum Stuttgart

Ablauf:

Ab 09:00 Uhr Anreise und Ankommen

09:30 Uhr       Begrüßung und Tagungseinführung

09:45 Uhr       Hauptvortrag "Junge Menschen und Gewalt: aktuelle Daten, mediale Diskurse und fachpolitische Thesen"
                        Bernd Holthusen, DJI 

                        anschließend Diskussion
12:30 Uhr      Mittagspause
13:30 Uhr      Workshop-Phase (inklusive Kaffeepause)
16:00 Uhr      Tagungszusammenfassung
16:30 Uhr      Tagungsende


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