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Fachgespräch: Transformative Eine Welt-Arbeit in Zeiten von Krieg und Krise. Austausch zwischen Zivilgesellschaft und Politik

In Zeiten multipler weltweiter Krisen steht die Regierung aus SPD, Grüne und FDP vor ambitionierten und schwierigen Aufgaben. Mit einem Krieg in Europa haben sich die Rahmenbedingungen und die damit verbundene Sicherheitslage weiter krisenhaft verändert, ohne dass die Konsequenzen derzeit vollständig absehbar wären.

Die Regierungskoalition hat einen Aufbruch für eine tiefgreifende und vielschichtige Transformation formuliert, der wegen der Kriegssituation in Europa nun droht, aufgeschoben oder gebremst zu werden. Eine Welt-Engagierte in ganz Deutschland wollen vor diesem Hintergrund weiterhin an den globalen Nachhaltigkeitszielen festhalten und eine Transformation mit und in der Entwicklungspolitik stärken und unterstützen. Sie leisten mit ihrem Engagement im Lokalen vielfältige zivile Beiträge zu nachhaltigem Leben und zu einer praktischen globalen Solidarität.

Als bürgerschaftliches Netzwerk möchten wir aus dieser Perspektive den Dialog mit der Politik verstärken und uns mit eingeladenen Expert*innen aus Politik und Zivilgesellschaft zu aktuellen Herausforderungen einer transformativen Eine Welt-Arbeit austauschen.


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Programm:

17:00 Uhr: Begrüßung

Impuls von Jens Martens (Global Policy Forum). Anschließend Einstiegsdiskussion mit Jochen Steinhilber (BMZ) und Susanne Menge (MdB, Die Grünen): Transformative Eine Welt-Arbeit - Was können Politik und Zivilgesellschaft jetzt beitragen? Moderation: Monika Dülge (Eine Welt Netz NRW)

18:00 Uhr: Moderierte Workshops mit Fach-Inputs von Expert*innen

19:30-20:00: Abschlussrunde und Get Together mit Imbiss


Beschreibungen der Workshops

Globaler Klimaschutz geht nicht ohne globale Klimagerechtigkeit
Impulse: Jessica Rosentahl (MdB, SPD) (angefragt), Kathrin Henneberger (MdB, Die Grünen) (angefragt), Lutz Weischer (Germanwatch). Moderation: Jolene Mestmacher (BORDA), Stefan Rostock (Germanwatch)

Globale Klimagerechtigkeit ruht auf vielen Säulen: Emissionsminderung bei uns und global; Anpassung und Anpassungsfinanzierung; Unterstützung bei Verlusten und Schäden, an die eine Anpassung nicht mehr möglich ist. Klimapartnerschaften sind eine Möglichkeit in kleinen engagierten Kreisen sich schneller hin zu Treibhausgasneutralität zu bewegen, als es der UN-Klimaverhandlungszug vorgibt. Wie können lokale, global engagierte Akteure in Deutschland auch durch entwicklungspolitische Bildungsarbeit die Transformation befördern? Welche Hebel entstehen durch die Verschränkung von handlungsorientierter Bildungsarbeit und laufenden politischen Prozessen, wie die UN-Klimakonferenz im November in Ägypten (COP27), die als afrikanische COP ganz eigene Akzente setzen wird.

Dekolonisierung in der Eine Welt-Arbeit
Impulse: Dr. Karamba Diaby (MdB, SPD), Serge Palasie (Eine Welt Netz NRW). Moderation: Tatjana Hübner (Eine Welt Netz NRW)

Ob globale Handelsmuster, Flucht und Migration, Klimaungerechtigkeit oder Rassismus: Ohne die angemessene Berücksichtigung der Bedeutung kolonialer Umverteilungsprozesse für die Gegenwart können wir nichts davon wirklich erklären. Dieser historische Ansatz gewinnt in der entwicklungspolitischen In- und Auslandsarbeit weiter an Bedeutung – auch weil migrantisch-diasporische Akteur*innen sich dafür mehr und mehr stark machen. Wie eine in sich schlüssige und partizipative Eine Welt-Arbeit aussehen kann und wo die Politik flankierend unterstützen kann, wollen wir in diesem Workshop erörtern.

Faires Wirtschaften und öko-soziale Lieferketten
Impulse: Eva-Maria Reinwald (Südwind Institut e.V.), Christine Priessner (Mobile Bildung e.V.)

Nachhaltige Lieferketten aufzubauen und globales Wirtschaften nachhaltig zu gestalten stehen oben auf der politischen Agenda. Menschenrechte, die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards entlang globaler Lieferketten und die Verantwortung von Unternehmen, Konsument*innen und Politik hier in Deutschland und Europa bilden dabei den Fokus der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit der Zivilgesellschaft. In dem Workshop werden konkrete Praxisbeispiele zivilgesellschaftlichen Engagements aus den Bereichen Fairer Handel und Lieferketten vorgestellt. Sie dienen als Impuls für einen Austausch darüber, wie Zivilgesellschaft und Politik zu einer Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft beitragen können. Dabei wollen wir aus den unterschiedlichen Perspektiven von Zivilgesellschaft und Politik über die Erwartungen an die jeweils andere Rolle in den Dialog kommen. 

Jetzt wird’s (gender)gerecht: Feministische Entwicklungspolitik
Impuls: Dr. Birte Rodenberg (freiberufl. Gender-Trainerin im Non-Profit-Bereich)
. Moderation: Katrin Beckedorf (Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen)

Das SDG-Ziel 5 beschäftigt sich mit der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen, um die tief verwurzelte und vielfältige geschlechtsspezifische Diskriminierung zu bekämpfen und ist durch die Querschnittsfunktion ein zentrales Ziel der Agenda 2030. Wenn wir gegen patriarchale Strukturen als Teil multipler Krisen vorgehen wollen, müssen wir verstehen, wie hierarchische Geschlechterverhältnisse in die Krisen hineinwirken. Wir wollen auf dem Workshop gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und der Politik sprechen, wie wir dieses Ziel schneller erreichen können. Mit welchen Erfahrungen und Perspektiven gehen die Anwesenden an die Gender-Thematik heran und wie kann man eine feministische Entwicklungspolitik in die konkrete Politik integrieren? Was kann die Zivilgesellschaft dazu beitragen und welche Forderungen an die Politik hat sie?

Undenkbar: Transformation ohne Bildungsarbeit. Bildungsarbeit ohne Rassismuskritik
Impulse: Lara Fedorchenko (VENRO), Judith Petersen, Dr. Malte Wulfinghoff (alle Eine Welt Netz NRW)

Bildung (SDG 4) ist die bedeutendste transformative Kraft für unsere zukunftsfähige Entwicklung - das sagt auch die UN. Notwendige Veränderungen auf sozialer, politischer, wirtschaftlicher und ökologischer Seite müssen von der Gesellschaft mitgestaltet und vor allem mitgetragen werden. Dies geht nur über Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Wissensgewinn mit transformativen Handlungskompetenzen vereint. Anhand von Thesen und Praxisbeispielen widmet sich der Workshop der Frage, wie wir gemeinsam die Umsetzung der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit stärken und gesellschaftspolitisch verankern können. Zudem wird die Bedeutung rassismuskritischer Kompetenzen und die Behandlung postkolonialer Kontinuitäten als wichtige Bestandteile entwicklungspolitischer Bildungsarbeit im Inland aufgezeigt.

Internationale Solidarität – Stärkung von Zivilgesellschaft in Zeiten wachsender globaler Herausforderungen
Impulse: Martin Weber (Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein), N.N. Moderation: Dr. Simon Ramirez-Voltaire (agl)

Viele Eine Welt-Akteur*innen engagieren sich in internationalen Partnerschaften und Netzwerken – ganz im Sinne von SDG 17. Internationale Partnerschaften bauen Brücken in die Länder des Globalen Südens und ermöglichen neben einer sehr vielseitigen Solidarität in praktischen Projekten auch den notwendigen Perspektivwechsel auf dem Weg zu einem globalen Wir von Menschen, die sich als Weltbürger*innen verstehen. Diese Zusammenarbeit von Engagierten über den Globus ermöglicht es – etwa im Rahmen entwicklungspolitischer Bildungsarbeit, Globalen Lernens und Bildung für nachhaltige Entwicklung – globale Zusammenhänge zu verstehen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, koloniale Kontinuitäten aufzuzeigen und überwinden zu helfen und den planetarischen Krisen zu begegnen. Was braucht es, um den internationalen Dialog lebendig, gleichberechtigt und solidarisch zu gestalten? Und wie schaffen wir es, von Anfang an mit unseren Partner*innen Themen und Projekte des gemeinsamen globalen Lernens zu generieren und zu entwickeln? Welches sind Bedarfe und Herausforderungen dieses wichtigen Zukunftsbereichs bürgerschaftlichen Eine Welt-Engagements und wie kann er gestärkt werden?