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Im Netz, auf der Straße, in den Köpfen 

Antisemitismus in (Ost-)Sachsen - Zur aktuellen Lage und zum Umgang mit einem wachsenden Problem
Konferenz im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal, Ostritz


Was ist los in Sachsen?

Antisemitische Vorfälle erreichen wiederholt Höchststände, Verschwörungserzählungen durchdringen die Gesellschaft, Menschen radikalisieren sich zunehmend im Netz. Diese besorgniserregenden Entwicklungen können wir bundesweit beobachten, doch scheint (Ost-)Sachsen voranzuschreiten. Unwissenheit (Was geht mich das an?) und wachsende Verunsicherung (Was kann ich dagegen tun?) ziehen sich gleichsam durch alle gesellschaftlichen Schichten. Es muss daher mehr über Antisemitismus, seine Codes, Ursachen und psychologischen Funktionen debattiert und aufgeklärt werden. Engagierten zivilgesellschaftlichen und pädagogischen Akteur/innen möchten wir mit der Konferenz, Wissen, Handlungskompetenzen und Netzwerke zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus in (Ost-)Sachsen vermitteln.


Ziele der Konferenz

Die Konferenz bietet eine Plattform für die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Antisemitismus speziell in (Ost-)Sachsen. Sie bringt Menschen, die bedarfsgerechte Bildungsangebote für ihre Zielgruppen suchen zusammen mit solchen, die konkrete Angebote für die antisemitismuskritische Bildungsarbeit entwickelt haben und bereits erfolgreich umsetzen. Die Teilnehmenden bekommen einen Überblick über die Entwicklung des Antisemitismus in Sachsen und hören unterschiedliche fachliche Perspektiven zu aktuellen Tendenzen sowie Debatten. Sie lernen die Bandbreite von pädagogischen Ansätzen sowie deren Chancen und Grenzen in Bezug auf verschiedene Zielgruppen kennen.

 

Zielgruppe

Die Konferenz richtet sich an Fachkräfte (Lehrkräfte, Berufsschullehrkräfte, Sozialpädagog/innen, Fachkräfte aus dem Bereich Demokratiebildung und politische Bildung), Multiplikator/innen aus den Bereichen zivilgesellschaftliches Engagement, Zeit- und Regionalgeschichte, Demokratiebildung und politische Bildung sowie an die interessierte Öffentlichkeit.


Markt der Kooperationen am 22.11.2022

Auf dem Markt der Kooperationen präsentieren politische Bildner/innen ihre Angebote für antisemitismuskritische Bildungsarbeit und vereinbaren Kooperationen mit sächsischen Schulen, Einrichtungen der Jugendarbeit sowie Veranstalter/innen. Förderinstitutionen stellen ihre Unterstützungsangebote für Projekte im Bereich der Antisemitismusprävention vor.

Diese Organisationen sind dabei:

Partnerschaften für Demokratie, Brücke/Most Stiftung, Amadeu Antonio Stiftung, Augen auf e.V., djo Sachsen, Hatikva e.V., Jugend- & Kulturprojekt e.V. - HANNAH-Projekt, MEETINGPOINT MEMORY MESSIAEN e.V. - Verein  für Erinnerung, Bildung, Kultur, Netzwerkstatt / Hillersche Villa, OFEK e.V. - Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung, sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus



Veranstalter

Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal in Zusammenarbeit mit der Amadeu Antonio Stiftung


Partner

Bündnis gegen Antisemitismus in Dresden und Ostsachsen
Soziokulturelles Zentrum Hillersche Villa gGmbH
Partnerschaft für Demokratie Stadt Görlitz
RAA Sachsen e.V.
Courage - Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V.


Förderung

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Förderprogramms „Weltoffenes Sachsen“ sowie durch die Bundeszentrale für politische Bildung.




PROGRAMM


Montag, 21.11.2022


Wie können wir Antisemitismus verstehen?
(theoretisches Verstehen & gesellschaftliches Einordnen)


11:00 – 12:00  //  Ankommen & Registrierung

12:00 – 12:30  //  Mittagessen

12:30 – 12:45  //  Eröffnung & Begrüßung durch die Konferenzmoderator/innen


Yasmin Vardić
Partnerschaft für Demokratie Stadt Görlitz

Benjamin Winkler
Amadeu Antonio Stiftung     


12:45 – 13:00  //  Grußworte


Dr. Thomas Feist
Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben

Anetta Kahane (hybrid)
ehemalige Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung


13:00 – 14:00  //  Vortrag & Diskussion


Ausprägungsformen und Verbreitung des Antisemitismus in Deutschland und Sachsen

Antisemitismus wird konzeptualisiert als Ressentiment gegen die Moderne, das trotz Aufarbeitungs- und Aufklärungsarbeit in verschiedenen Ausdrucksformen weiterhin aktuell und eine Bedrohung für jüdische Menschen bleibt. Der Vortrag führt anhand bundesweiter und sachsenspezifischer Umfragedaten sowie Eindrücken aus der wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Beobachtung antisemitischer Vorfälle in das Thema ein. Den Teilnehmenden wird ein gemeinsamer Informationsstand für die weitere Diskussion vermittelt.

Prof. Dr. Oliver Decker
Direktor des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für Demokratieforschung, Universität Leipzig


14:00 – 14:30  //  Pause & Check-In für Übernachtungsgäste

14:30 – 18:00  //  parallele Workshops 1 – 3


#1 Antisemitismus in der DDR und seine Folgen (hybrid)

Ob die DDR ein „antisemitischer Staat“ gewesen sei, ist bis heute Gegenstand emotional geführter Kontroversen. Sowohl pauschale Verurteilungen als auch Entlastungen sind jedoch oft geschichtspolitisch motiviert und zielen am Kern der Sache – einer analytisch begründeten Kritik des Antisemitismus in der DDR – vorbei. Im Workshop soll gezeigt werden, dass sich antisemitische Ressentiments in der DDR aus zweierlei ideologischen Quellen speisten: Zum einen war in der staatstragenden Ideologie des Marxismus-Leninismus eine Nähe zu antisemitischen Denkmustern angelegt. Zum anderen verbanden sich diese mit nicht aufgearbeiteten, verdrängten und daher fortwirkenden antisemitischen Ressentiments der nachnationalsozialistischen (ost)deutschen Gesellschaft.

Dr. Anja Thiele
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistische Literaturwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena


#2  Zur Geschichte des Antisemitismus in Sachsen bis 1945

Der Workshop führt in die Geschichte der Judenfeindschaft in Sachsen ein. Er nimmt im ersten Teil besonders die Entstehung des modernen Antisemitismus ab der Gründung des Kaiserreichs bis zur Shoah in den Blick. Diskutiert werden dessen Ursachen, Formen und Folgen. Im zweiten Teil des Workshops setzen sich die Teilnehmenden vertiefend mit Bildmaterial zur nationalsozialistischen Judenverfolgung auseinander. Gemeinsam werden Sehgewohnheiten und -gewissheiten hinterfragt, ein qualitativer Zugang zum Material erarbeitet und sein Einsatz in der Bildungs- und Vermittlungsarbeit diskutiert.

Daniel Ristau
freier Historiker, Dresden


#3  Zur Gegenwart des Antisemitismus in Sachsen

Antisemitische Straf- und Gewalttaten in Sachsen steigen: Das zeigen die Zahlen der Polizei und des zivilgesellschaftlichen Monitorings. Jüdinnen und Juden in Sachsen berichten von Anfeindungen, Übergriffen oder Bedrohungen via Internet. Insbesondere in der Corona-Pandemie war ein Anwachsen des Antisemitismus zu beobachten, vor allem durch die Verbreitung antisemitischer Verschwörungsideologien. Der Workshop wirft einen Blick auf aktuelle Formen des Antisemitismus in Sachsen und lädt dazu ein, Gegenstrategien zu diskutieren.

Benjamin Winkler, Marie Künne
Projekt debunk. Verschwörungstheoretischem Antisemitismus entgegentreten, Amadeu Antonio Stiftung


18:00 – 19:00  //  Abendessen am Buffet

19:00 – 20:30  //  Podiumsdiskussion


Was tun gegen Antisemitismus in Sachsen?

Petra Köpping
Sächsische Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Felix Pankonin
Leiter der Netzwerkstatt, Soziokulturelles Zentrum Hillersche Villa gGmbH

Dr. Kati Lang
Rechtsanwältin für Betroffene rechter Gewalt, Dresden

Prof. Dr. Oliver Decker
Direktor des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für Demokratieforschung, Universität Leipzig

Dr. Nora Goldenbogen
Vorsitzende des Landesverbands Sachsen der Jüdischen Gemeinden

Moderation: Andrea Hübler
Fachreferentin, RAA Sachsen e.V.


ab 20:30  //  Ausklang & Bar im Kaminzimmer


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Dienstag, 22.11.2022

Wie können wir Antisemitismus begegnen?
(Praktisches Handeln und Herausforderungen)


07:45 – 08:30  //  Frühstück

08:30 – 09:00  //  Check-Out für Übernachtungsgäste

09:00 – 10:00  //  Vortrag & Diskussion (hybrid)

Grundsätze und Herausforderungen der Antisemitismuskritik

Antisemitismus manifestiert sich als gesamtgesellschaftliches Problem in unterschiedlichen Sozialräumen und tritt verstärkt im Kontext von Schule in Erscheinung. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität antisemitischer Vorfälle stellt Fachkräfte vor die Herausforderung, ihre Interventionsfähigkeit im Umgang mit Antisemitismus weiterzuentwickeln. Auf Basis empirischer Studien und Erfahrungen aus der antisemitismuskritischen Bildungs- und Beratungspraxis sowie der Forschung des Kompetenzzentrums werden die zentralen Herausforderungen dargestellt und praktische Handlungsoptionen für einen professionellen Umgang damit aufgezeigt.

Marina Chernivsky
Leiterin Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment, Geschäftsführerin OFEK e.V.


10:00 – 11:30  //  Austauschen, Netzwerken, Kooperationen schließen

Markt der Kooperationen (I)
Stiftungen, Fördermittelgebende, Organisationen der politischen Bildung stellen sich vor und treffen auf pädagogische Fachkräfte sowie zivilgesellschaftlich Engagierte, die Bildungs- und Unterstützungsangebote für Ihre Zielgruppen suchen.


11:30 – 12:15  //  parallele Kurz-Inputs 1 – 3

Methodische Ansätze für antisemitismuskritische Bildungsarbeit


#1 1.700 Jahre Existenz - Jüdisches Leben und Antisemitismus in 90 Minuten

Zum Festjahr 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland hat sich der Objektiv e.V. mit filmpädagogischen Angeboten für Schulklassen beteiligt. In Workshops und von erfahrenen Filmreferenten moderierten Filmgesprächen konnten sich Kinder und Jugendliche dem Thema behutsam nähern. Filme können die inhaltliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen unterstützen. Der Workshop gibt einen kompakten Einblick in die Möglichkeiten der Filmpädagogik.

Berit Töpfer
Objektiv e.V.


#2 Mission Mondlandung – Ein Projekt zum Abbau von Antisemitismus

Der Workshop vermittelt zunächst die Arbeitsweise und die Herangehensweise der Courage – Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit, bevor er explizit aufzeigt, wie das Thema Antisemitismus im vor allem schulischen, aber auch außerschulischen Bereich angegangen wird. Exemplarisch stellt er dar, wie Schüler/innen zu couragiertem Handeln motiviert werden und welche Handlungsmöglichkeiten es gegen Antisemitismus gibt. Darüber hinaus weist der Workshop darauf hin, wie das Projekt „Mission Mondlandung“ konkret im schulischen Alltag integriert werden kann.

Kevin Hohlweg
Courage - Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V., Netzwerk für Demokratie und Courage Sachsen


#3 Das „Butterfly Project“ - persönliche Geschichten machen Geschichte (be)greifbar

Das „Butterfly Project“ erinnert mit Keramik-Schmetterlingen an die 1,5 Millionen Kinder und Jugendlichen, die im Holocaust getötet wurden. Ziel des Projekts ist es, Schüler/innen (ab der 5. Klasse) mit der Geschichte des Holocausts vertraut zu machen, um sie für die Gefahren von Antisemitismus, Hass und Intoleranz zu sensibilisieren. Zu jedem „Butterfly Project“ gehört ein Bildungsprogramm, das auf das Alter der Teilnehmenden zugeschnitten wird. Im Zentrum stehen die Geschichten einzelner Holocaust-Opfer. Dieser persönliche Zugang macht das Unvorstellbare (be)greifbarer.

Nicole Nocon
Initiative generationE e.V.

Lauren Leiderman
Hillersche Villa & Jüdische Gedenkwoche Görlitz/Zgorzelec


12:30 – 13:30  //  Mittagessen

13:30 – 14:15  //  parallele Kurz-Inputs 4 – 6

Methodische Ansätze für antisemitismuskritische Bildungsarbeit
               

#4 Handlungsmöglichkeiten gegen Antisemitismus in pädagogischen Kontexten 

Der Workshop widmet sich der Frage, wie man mit antisemitischen Handlungen in pädagogischen Settings umgehen kann. Dabei richtet sich der Blick auch auf die Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns. Anhand von Fallbeispielen werden praxisorientierte Handlungsoptionen besprochen und entsprechende Fallstricke erörtert.

Susanne Voigt
HATiKVA, Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V.


#5 Fokusgruppen zur Auseinandersetzung mit verschwörungs-ideologischem Antisemitismus

Junge Menschen schienen in der Corona-Pandemie weniger häufig an Maßnahmen-Gegner/innen-Demos teilzunehmen. Sind sie weniger anfällig für verschwörungsideologisches Denken? Die Forschung gibt hierzu keine klaren Aussagen, aber in manchen Studien sind tatsächlich ältere Erwachsene stärker verschwörungsgläubig. Dennoch sind Verschwörungsideologien in der Welt junger Menschen allgegenwärtig. Mit Fokusgruppen lässt sich das Thema in der Jugendarbeit oder in der Schule thematisieren und bearbeiten.

Benjamin Winkler
Amadeu Antonio Stiftung, Projekt debunk. Verschwörungstheoretischem Antisemitismus entgegentreten

          

#6 HANNAH-Projekt – Challenging and Debunking Antisemitic Myths

Das europäische Projekt HANNAH verbindet Perspektiven auf Antisemitismus aus den vier Ländern Deutschland, Griechenland, Polen und Serbien. Im Kurz-Input werden die von den internationalen Projektpartner/innen erarbeiteten onlinebasierten Arbeitsmaterialien vorgestellt. Darunter ein Onlinekurs, eine Graphic Novel, eine Dokumentationsserie zu jüdischem Leben und Geschichte sowie Antisemitismus und eine Sammlung antisemitischer Narrative.

N.N.
Jugend- & Kulturprojekt e.V.


14:15 – 14:30  //  Kaffeepause

14:30 – 15:00  //  Abschluss-Panel mit Visualisierung der Konferenztage


Der Blick von außen: Was bleibt? Was kommt?
Yasmin Vardić und Benjamin Winkler im Gespräch mit Graphic Recorderin Liane Hoder


15:00 – 16:00  //  Austauschen, Netzwerken, Kooperationen schließen

Markt der Kooperationen (II)
Stiftungen, Fördermittelgebende, Organisationen der politischen Bildung stellen sich vor und treffen auf pädagogische Fachkräfte sowie zivilgesellschaftlich Engagierte, die Bildungs- und Unterstützungsangebote für Ihre Zielgruppen suchen.


16:00               //  Ende der Veranstaltung



Kurzfristige Programmanpassungen bleiben vorbehalten.