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„Flucht durch das Minenfeld an der thüringisch-hessischen Grenze – ein Zeitzeuge berichtet“

Vor 62 Jahren wagte Berthold Dücker als 16-Jähriger eine lebensgefährliche Flucht aus der DDR in den Westen. Geboren 1947 in Geismar/Rhön, im äußersten westlichen Zipfel Thüringens, wuchs er in der fünf Kilometer tiefen Sperrzone unmittelbar an der innerdeutschen Grenze auf. Geprägt durch seine christliche Erziehung und die kirchenfeindliche SED-Diktatur sah er für sich in der DDR keine Zukunft. Im August 1964 gelang ihm schließlich die Flucht: Mit einer Kneifzange bahnte er sich einen Weg durch das Minenfeld und über die Grenze in die Bundesrepublik.

Wie fühlt es sich an, mit gerade einmal 16 Jahren seine Heimat und seine Familie zurückzulassen und unter Lebensgefahr den Weg in die Freiheit zu wagen?

Berthold Dücker hat diese Erfahrung selbst erlebt. In seinem persönlichen Zeitzeugenvortrag berichtet er von seiner Kindheit und Jugend in der DDR, den Lebensumständen in der Sperrzone, den Gründen für seine Flucht und den dramatischen Erlebnissen auf dem Weg in die Freiheit. 25 Jahre lang war er von seiner Familie und seiner Heimat getrennt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung kehrte Dücker Anfang 1993 als Chefredakteur der Südthüringer Zeitung in seine Heimat zurück. Dort engagierte er sich maßgeblich dafür, das ehemalige US-Camp „Point Alpha“ im sogenannten „Fulda Gap“ vor dem Abriss zu bewahren und zu einer heute viel besuchten Gedenkstätte auszubauen. Als Vorsitzender des Trägervereins initiierte er unter anderem den Bau des „Hauses auf der Grenze“, den „Point-Alpha-Preis“ sowie den 1.400 Meter langen Skulpturenweg „Weg der Hoffnung“. Dieser erinnert nicht nur an den Kreuzweg Christi, sondern zugleich an die Überwindung staatlicher Willkür und Unfreiheit.

Für sein vielfältiges Engagement wurde Berthold Dücker mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Thüringer Verdienstorden, dem Ehrenbrief des Landes Hessen und 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Im selben Jahr erhielt er den Thüringer Journalistenpreis.

Heute ist Berthold Dücker deutschlandweit als Zeitzeuge und Redner unterwegs, insbesondere an Schulen. Seine persönlichen Erinnerungen machen die deutsche Teilung und die innerdeutsche Grenze auf eindrucksvolle Weise greifbar. Dabei geht es nicht nur um Geschichte aus dem Schulbuch, sondern um eine persönliche Lebensgeschichte, die zeigt, was Freiheit, Unfreiheit und Grenzen für einen jungen Menschen bedeuten können.

Doch Dücker blickt nicht nur zurück. Seine eigenen Erfahrungen versteht er als Mahnung für die Gegenwart. Er setzt sich dafür ein, die Gefahren von Diktaturen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und die Bedeutung von Freiheit und Demokratie immer wieder bewusst zu machen. Dabei richtet er den Blick auch auf den Umgang mit Geflüchteten und wirbt für Empathie und Menschlichkeit.

Denn seine Botschaft ist aktueller denn je: Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit – es liegt an uns, sie zu bewahren.

Wir laden herzlich dazu ein, Berthold Dücker zuzuhören, Fragen zu stellen und deutsche Geschichte aus erster Hand zu erleben.

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