Verschiedene globale wie innenpolitische Entwicklungen, Krisen und Ereignisse beeinflussen das psychiatrische Versorgungssystem im Allgemeinen und die Arbeit in den Sozialpsychiatrischen Diensten (SpDi) im Besonderen. Viele Menschen sind durch Kriege, wirtschaftliche Krisenlagen, Klimawandel verunsichert und fühlen sich bedroht. Eine Reaktion darauf ist die Entsolidarisierung. Ohne Zweifel wirken sich diese Verhältnisse und Phänomene auf die gesundheitliche Situation der Menschen aus.
Die Innenministerkonferenz nahm 2025 Medienberichte über Gewalttaten mutmaßlich psychisch erkrankter Menschen zum Anlass, um Gefährderregister und Datenweitergabe an die Polizei zu fordern. Die Bundesregierung plant erhebliche Einschnitte bei der sozialen Sicherung, der Teilhabe und in der Gesundheitsversorgung und hat den Pakt für den ÖGD ohne Anschlussregelung beendet.
Betroffen sind in erster Linie Menschen in prekären Lebenslagen: Wohnungsnot, materieller Armut, unsicherer und gleichzeitig schwieriger werdendem Zugang zu Diensten und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialsystems. Aktuelle politische Entscheidungen auf Bundes- wie auf Landesebene stellen Selbstverständlichkeiten und normative Prinzipien des Sozialstaates in Frage. Es sind Tendenzen zu beobachten, Psychischkrankenhilfegesetze (PsychKHG) wieder verstärkt unter dem Vorrang von Ordnung und Sicherheit zu verändern, dies häufig auf Kosten der Angebote zur Hilfe und Unterstützung. Aber auch der zunehmende Fachkräftemangel und ineffektiv eingesetzte finanzielle Mittel erfordern eine strukturelle Neu- bzw. Weiterentwicklung des psychiatrischen Versorgungssystems.
Das Programm der Tagung versucht diesen aktuellen Problemlagen Rechnung zu tragen: Ein soziologischer Einstieg stellt einen übergreifenden Hintergrund her, welcher die Grundlage für die Darstellung und Diskussion der aktuellen Lage der SpDi, untermauert durch eine Umfrage, bildet. Zentrale Themen werden dann in einem World Café erörtert. Während der erste Tag sich vorrangig mit der Gegenwart auseinandersetzt, richtet der zweite Tag den Blick in die Zukunft. Dies wird eng verknüpft mit der Frage, welche Aufgaben, Herausforderungen und Funktionen den SpDi zur Umsetzung der kommunalen Daseinsvorsorge im Gemeindepsychiatrischen Verbund zukommen.
Selbstredend bezieht eine politisch sich verstehende Sozialpsychiatrie die Politik mit ein, weshalb wir zum Abschluss der Tagung mit verschiedenen politischen Vertreter:innen über Perspektiven der Gesundheitsversorgung und der SpDi diskutieren wollen.
Bei der 6. Fachtagung in Präsenz geht es also zum einen um die aktuelle Lage der SpDi in unserm Land. Zum anderen um die konstruktive Weiterentwicklung des SpDi als eine Kerneinrichtung in der psychiatrisch- psychosozialen Versorgungslandschaft mit ihren vielfältigen Herausforderungen.
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