Kein anderer Kaiser des Mittelalters wurde so von den Hoffnungen und Wünschen des 19. Jahrhunderts verzerrt wie Friedrich I. Barbarossa. Das italienische Risorgimento und der deutsche Nationalismus instrumentalisierten ihn politisch: Manchen galt er als fremder Herrscher, der gegen die Freiheit der italienischen Städte kämpfte, nach Meinung anderer trug er bereits im Mittelalter zur Einigung des deutschen Volkes bei. Die Herausforderung für eine moderne Interpretation des Kaisers besteht darin, sein Leben und seine Politik in den Handlungshorizont seiner Zeit zu stellen. Erst dann kommt die Fremdartigkeit des fernen 12. Jahrhunderts ans Licht.
In seinem Vortrag thematisiert Prof. Dr. Knut Görich die moderne Rezeption des Stauferkaisers, aber auch dessen aristokratische Mentalität, für die die Wahrung von Rang und Ehre ein wesentliches Merkmal war. Sie bildete den roten Faden in den Kämpfen, die Barbarossa in Deutschland mit den Fürsten, in Italien mit dem lombardischen Städtebund und mit dem Papsttum sowie im Kreuzzug mit dem byzantinischen Kaiser führte. Im Anschluss an seinen Vortrag kommt Prof. Dr. Knut Görich mit dem Journalisten und Podcast-Produzent Dr. Jan Schulte-Kellinghaus ins Gespräch – sehr gerne auch mit Ihnen!
Veranstaltungsort: Schelling-Forum, Klinikstraße 3, 97070 Würzburg