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ZWEITEILIGER FACHTAG:

DIE EXTREME RECHTE - AUF ANTISEMITISMUS GEBAUT


Antisemitismus begegnet uns in allen Teilen der Gesellschaft. 

In extrem rechten Organisationen und Akteursgruppen ist er jedoch ein zentraler identitätsstiftender Bestandteil. Er knüpft an historische Vorläufer an, ändert aber immer wieder seine Ausprägung: mitbestimmt durch gesellschaftliche und politische Bedingungen passt er seine Formen dem jeweiligen Zeitgeist an. 

Mit erschreckender Kontinuität und Anzahl sind Anfeindungen, Bedrohungen, gewaltsame Übergriffe und Anschläge auf jüdische Menschen, Einrichtungen und Organisationen gesamtgesellschaftliche Realität. 

Die Podiumsdiskussion und der Fachtag gehen der Frage nach, welche unterschiedlichen Dimensionen und Handlungsräume es im Engagement gegen extrem rechten Antisemitismus gibt. Wie kann nicht nur reagiert, sondern ein wirksamer und nachhaltiger Rahmen geschaffen werden, um antisemitische Einstellungen und Handlungen als solche zu erkennen, zu benennen und diesen entschieden entgegen zu treten? 


10. November 2022

16.00 - 17.30 Uhr Podiumsdiskussion

Begrüßung
Dr. Christiane Nischler-Leibl, Abteilungsleiterin der Abteilung VI „Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention“ im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

Gesprächsgäste

Alexandra Dratva, ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Verein für Aufklärung und Demokratie (V.A.D. e.V.)
Monty Ott, Politik- und Religionswissenschaftler, Aktivist und Publizist
Dr. Matthias Pöhlmann, Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), Evangelischer Theologe und Publizist
Dr. Mirjam Zadoff, Historikerin, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München

Moderation: Shahrzad Osterer, Bayerischer Rundfunk (BR)

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11. November 2022 

9.30 – 9.45 Uhr Grußworte

Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales
Matthias Fack, Präsident Bayerischer Jugendring (BJR)
Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe

9.45 –10.00 Uhr Einführung


10.00 –11.00 Uhr Keynote

Prof. Dr. Samuel Salzborn, apl. Professor für Politikwissenschaft und Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus
„Kontinuitäten, Wandel und aktuelle Entwicklung im Feld Rechtsextremismus und Antisemitismus“

Antisemitismus ist ein zentrales weltanschauliches Element des Rechtsextremismus – ungeachtet der konkreten rechtsextremen Strömungen. Er äußert sich aber je nach rechtsextremer Strömung unterschiedlich. Gemeinsamkeiten und Differenzen im rechtsextremen Milieu werden vor diesem Hintergrund historisch rekonstruiert und in ihren aktuellen Ausprägungen dargestellt.

11.00 –11.15 Uhr Pause

11.15 –12.30 Uhr Blick auf Bayern
Nicola Hieke, Leitung Landeskoordinierungsstelle Demokratie leben! Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS)
„Antisemitismus - Querschnittsthema in der bayerischen Beratungspraxis“

12.30 –13.15 Uhr Mittagspause

13.15 –14.30 Uhr Handlungsräume: Parallele Fachgespräche und Diskussionsräume in Kleingruppen zu unterschiedlichen Handlungsfeldern:
(Sie erhalten einen separaten Link. Die Handlungsräume werden nicht aufgezeichnet und nicht live gestreamt. Ihr Besuch ist nur nach Voranmeldung möglich.)



Folgende Handlungsräume stehen zur Auswahl:

  • Kommunale Handlungsspielräume

Gerade Kommunen sind in den vergangenen Monaten immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, wenn es um Formen antisemitischer Massenproteste oder andere antisemitische Artikulationen im öffentlichen Raum ging. Nicht nur deshalb gilt es, auch in diesem Handlungsraum, der stark struktur- und hierarchieorientiert organisiert ist, in aller Deutlichkeit und Klarheit Antisemitismus entschieden entgegen zu treten. Dazu bedarf es neben einem Zusammenwirken möglichst vieler Akteur:innen vor Ort vor allem auch nachhaltiger Konzepte, die in konkreten Situationen Handlungssicherheit schaffen. Vor allem aber ist es notwendig, im Sozialraum durch geeignete Maßnahmen wie Kooperationen, Begegnungsmöglichkeiten, Veranstaltungen und Initiativen eine Atmosphäre zu schaffen und zu befördern, die Antisemitismus in jeder Form ächtet.

Vertreter:innen bayerischer Partnerschaften für Demokratie berichten im Gespräch mit der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS) von Herausforderungen und Aktivitäten im Themenfeld.


  • Die Rolle von Betroffenenperspektive(n)

In der breiten Öffentlichkeit wird der alltägliche Antisemitismus und die davon ausgehende Bedrohung meist nur im Zusammenhang mit der Dokumentationsarbeit verschiedener Monitoring-Stellen wahrgenommen. Die Strategien und Umgänge von (potentiell) Betroffenen dieser antisemitischen Gewalt und Diskriminierung hingegen werden gesellschaftlich weniger stark rezipiert. Um Diskussionen abseits von Zahlen oder Täter*innengruppen mehr Raum zu geben, steht die Suche nach Handlungsperspektiven und Strategien der Selbstermächtigung Betroffener von antisemitischer Gewalt im Zentrum dieses Panels.  Es wird hierzu ein Gespräch zwischen Ruben Gerczikow und eine*r Mitarbeiter*in der Beratungsstelle B.U.D. geben.

Ruben Gerczikow ist Autor und Publizist. Ende des Jahres 2022 veröffentlicht er gemeinsam mit Monty Ott das Buch "'Wir lassen uns nicht unterkriegen' Junge jüdische Politik in Deutschland". Außerdem kommentiert er regelmäßig das politische Geschehen und bezieht dabei Position zu Antisemitismus, Rechtsextremismus und Islamismus. Bis 2021 war er Vizepräsident der European Union of Jewish Students sowie der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands.


  • Intersektionalität von Ideologien: Antisemitismus und Sexismus im Rechtsextremismus

Dass sowohl Antisemitismus als auch Sexismus zentrale Bestandteile rechtsextremer Weltanschauung sind, wurde vielfach herausgestellt. Weniger oft gerät in den Blick, wie die beiden Ideologien sich überschneiden, verstärken und bis zu einem gewissen Grad gegenseitig vertreten können. Aus gesellschaftstheoretischer Perspektive fokusiert ein Input die Schnittstellen von Antisemitismus und Sexismus bzw. Antifeminismus und ihre Bedeutung für autoritäres Gemeinschaftsdenken. Dabei werden die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Geschlechtervorstellungen innerhalb rechtsextremer Strömungen sowohl in historischen als auch aktuellen Ausprägungen herausgestellt. Der Input soll in erster Linie einen theoretischen Einblick in das Konzept der Intersektionalität von Ideologien in Bezug auf Rechtsextremismus geben. Auf dieser Grundlage können wir gemeinsam diskutieren, inwiefern das Wissen über die vielfachen Überschneidungen von Antisemitismus und Sexismus auch für die Praxis relevant ist.

​​​​​​​Gesche Gerdes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Passau hat einen Masterabschluss in Geschlechterforschung und promoviert über die Intersektionen von Misogynie und Antisemitismus in der sogenannten Incel-Ideologie. Arbeitsschwerpunkte sind: Kritische Theorie, feministische Theorie, Männlichkeitsforschung, Antisemitismusforschung, analytische Sozialpsychologie.


  • ​​​​​​​Monitoring antisemitischer Vorfälle - RIAS Bayern

Rund 20 Prozent der seit dem Bestehen von RIAS Bayern dokumentierten antisemitischen Vorfälle wurden durch eigenes Monitoring bekannt. Nicht nur im Bereich der extremen Rechten, sondern auch bei antisemitischen Vorfällen mit anderen ideologischen Hintergründen, etwa aus der verschwörungsideologischen Szene oder dem antiisraelischen Aktivismus, steigert zivilgesellschaftliches Monitoring die Sichtbarkeit von Antisemitismus als Alltagsproblem und hilft dabei, Veränderungen der Äußerung antisemitischer Inhalte in der Öffentlichkeit abzubilden. Auch werden antisemitische Inhalte häufig erst durch das Monitoring be- und erkannt und Überschneidungen etwa mit Rassismus, Sexismus oder Homophobie sichtbar. Anhand einiger Zahlen und Fälle wird die Relevanz von zivilgesellschaftlichem Monitoring am Beispiel Antisemitismus dargestellt und erörtert, welche Handlungsmöglichkeiten die dabei gewonnen Ergebnisse eröffnen.

Nikolai Schreiter ist Mitarbeiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Bayern (RIAS Bayern) mit Schwerpunkt Monitoring antisemitischer Vorfälle. 


  • Was tun gegen Antisemitismus und Verschwörungsdenken im persönlichen und beruflichen Nahbereich?

Jetzt wird’s persönlich: Pädagogische Fachkräfte oder nahe Angehörige sind oftmals überrumpelt, sprachlos und überfordert, wenn eine Person in antisemitischen Verschwörungsmythen aufgeht – wie damit umgehen? Wie die berufliche oder persönliche Beziehung gestalten, wie sich positionieren? Und was hat der:diejenige überhaupt davon, wie profitieren Menschen von diesem Gedankengut, was bietet das? Diesen Fragen möchte die Familien-, Umfeld- und Elternberatung zu Rechtsextremismus (F.U.E.R.) im Gespräch mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Ausstieg zum Einstieg e.V. und der Beratungsstelle NinA NRW nachgehen. 

Gesprächspartner:innen:

F.U.E.R. – Familien-, Umfeld- und Elternberatung zu Rechtsextremismus, BAG Ausstieg zum Einstieg e.V., NinA NRW 


  • Gegen jeden Antisemitismus: zivilgesellschaftliches Handeln

Ob Proteste gegen antisemitische und israelfeindliche Veranstaltungen, Vortragsreihen oder niedrigschwellige Aufklärungsarbeit an Schulen und der Universität: Das „Junge Forum“ der „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ in Regensburg ist vielfältig aktiv. Aus welcher politischen Richtung der Antisemitismus dabei kommt, spielt keine Rolle. Nadine Randak vom „Jungen Forum“ stellt die Arbeit der Organisation vor, mit ihr spricht Jan Nowak von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus“

Nadine Randak, Junges Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) und Jan Nowak (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Büro Nordost)


14.30 –14.45 Uhr Pause


14.45 –15.15 Uhr Blitzlichter auf die Handlungsräume


15.15 –15.30 Uhr Abschluss


Moderation: Shahrzad Osterer, Bayerischer Rundfunk (BR)


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