Info
Rassismus verstehen. Handlungsspielräume stärken.
Rassismen wirken in Institutionen ebenso wie im Alltag. Rassismus zeigt sich in offenen Benachteiligungen, aber auch in Routinen, Zuschreibungen und institutionellen Strukturen, die den Zugang zu Ressourcen, Teilhabe und Anerkennung ungleich verteilen. Für Fachkräfte und Engagierte bedeutet dies, Rassismus und aus ihm resultierende Diskriminierung nicht nur als individuelles Fehlverhalten zu verstehen, sondern seine historischen, gesellschaftlichen und institutionellen Dimensionen einordnen und reflektiert damit umgehen zu können.
Diese Fortbildungsreihe richtet sich an Interessierte im Bezirk Pankow und vermittelt fundierte Grundlagen zu unterschiedlichen Formen von Rassismus. Ergänzend werden Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Zusammenhänge von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus beleuchtet. Die Reihe eröffnet praxisorientierte Zugänge zum Umgang mit Rassismus im beruflichen und privaten Kontext. Die Teilnehmenden setzen sich mit historischen Entwicklungslinien, aktuellen Erscheinungsformen und den jeweiligen Wirkungsweisen verschiedener Rassismen auseinander und entwickeln Handlungsmöglichkeiten für eine rassismuskritische Praxis.
Die Module 1–3 sowie Modul 5 dieser Fortbildungsreihe werden durch das Projekt „Muslimisch gelesene Vielfalt im Gespräch“ (MgV) der Türkischen Gemeinde in Deutschland e. V. (TGD), einer säkularen und weltanschaulich neutralen Migrant*innenorganisation durchgeführt. Da der Schwerpunkt des Projekts auf antimuslimischem Rassismus liegt, werden in den Modulen konkrete Einblicke in diese Form des Rassismus vermittelt.
Die vertiefte Auseinandersetzung dient dabei nicht der Hierarchisierung von Diskriminierungsformen, sondern der beispielhaften Analyse spezfisicher rassistischer Mechanismen und ihrer Übertragbarkeit auf andere Diskriminierungsverhältnisse. Andere Formen von Diskriminierung werden dabei als eigenständige historische und gesellschaftliche Phänomene anerkannt und in ihrer jeweiligen Spezifik eingeordnet.
Module der Fortbildungsreihe
Die Module verbinden fundierte Fachinputs mit anschaulichen Praxisbeispielen, begleiteten Reflexionsphasen und anwendungsorientierten Übungen. Sie laden dazu ein, eigene Perspektiven zu erweitern, Handlungssicherheit zu gewinnen und den Austausch zwischen Teilnehmenden aus unterschiedlichen Bereichen zu stärken.
● Modul 1: Rassismus - Grundlagen und Geschichte mit einem Schwerpunkt auf antimuslimischem Rassismus. Freitag, 09.10.2026
● Modul 2: Rassismus erkennen, Haltung zeigen: Handlungsmöglichkeiten in der Praxis. Freitag, 06.11.2026
● Modul 3: Anti-Schwarzen Rassismus intersektional reflektieren. Freitag, 20.11.2026
● Modul 4: Intersektionalität - am Beispiel muslimisch gelesener Menschen. Freitag, 11.12.2026
(ausführlichere Beschreibung siehe unten)
Als Partnerschaften für Demokratie Pankow stärken wir im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ eine vielfältige, demokratische Gesellschaft in diesem Bezirk. Mit der Fortbildungsreihe möchten wir dazu einladen, unterschiedliche Formen von Rassismus besser zu verstehen, eigene Perspektiven zu reflektieren und Handlungsmöglichkeiten für den beruflichen und gesellschaftlichen Alltag zu entwickeln.
Dabei arbeiten wir mit dem Projekt "Muslimisch gelesene Vielfalt im Gespräch "https://mgvielfalt.de/ der Türkischen Gemeinde in Deutschland e. V. zusammen, das seine besondere Expertise zum antimuslimischen Rassismus in die Fortbildungsreihe einbringt.
Teilnahme und Zertifkat
Die Reihe richtet sich an alle Interessierten – unabhängig davon, ob sie im Bildungsbereich, in der Bezirksverwaltung, der Zivilgesellschaft tätig sind oder sich aus persönlichem Interesse mit den Themen auseinandersetzen möchten.
Die Teilnahme ist auf 20 Personen pro Modul begrenzt. Wir empfehlen, möglichst an allen Modulen teilzunehmen, da diese aufeinander aufbauen und unterschiedliche Perspektiven auf das Thema eröffnen. Die Teilnahme an einzelnen Modulen ist jedoch ebenfalls möglich.
Teilnahme kann nur nach bestätigter Anmeldung erfolgen. Nach erfolgreicher Teilnahme wird ein Teilnahmezertifikat ausgestellt.
Modulinhalte
Modul 1: Rassismus - Grundlagen und Geschichte mit einem Schwerpunkt auf antimuslimischem Rassismus - Freitag, 09.10.2026
Dieser Auftaktworkshop vermittelt fundiertes Basiswissen zu Rassismus, beleuchtet historische Hintergründe und bietet Raum für Reflexion zu rassismussensiblem Handeln im Bezirk Pankow: Wie entstehen rassistische Zuschreibungen, Ausgrenzung und Ungleichwertigkeitsvorstellungen? Welche historischen Entwicklungen prägen heutige Erscheinungen von Rassismus? Und wie können wir ihnen im Alltag begegnen? Ein besonderer Schwerpunkt dieses Moduls liegt auf dem antimuslimischen Rassismus.
Modul 2: Rassismus erkennen, Haltung zeigen – Handlungsmöglichkeiten in der Praxis am Beispiel von antimuslimischem Rassismus Freitag, 06.11.2026
Rassismus zeigt sich manchmal offen, aber oft wirkt er beiläufig und unterschwellig. Das macht es schwer, ihn zu erkennen, und noch schwerer, im richtigen Moment zu reagieren. Durch den Workshop gewinnen Teilnehmende mehr Sicherheit beim Erkennen und Ansprechen von Rassismus, lernen konkrete Handlungsoptionen für typische Situationen kennen und erhalten Kontakte zu Beratungsstellen. Wir gehen unter anderem diesen Fragen nach: Woran erkennen wir antimuslimischen Rassismus, auch wenn er nicht offen oder beabsichtigt auftritt? Wo endet Kritik an Religion, wo beginnt Rassismus? Wie können wir eingreifen, ohne Betroffene zu übergehen oder zusätzlich zu belasten? Wie sprechen wir Menschen an, die etwas „nicht so gemeint” haben, und wie gehen wir damit um, wenn wir selbst auf einen Fehler hingewiesen werden? Wie wirken unsere eigene Position und unsere Erfahrungen auf unser Handeln? Wie lässt sich eine rassismuskritische Haltung im eigenen Umfeld verankern, etwa im Team, im Verein oder in der Nachbarschaft?
Der Workshop baut auf Modul 1 auf, setzt dieses aber nicht zwingend voraus. Der Fokus liegt auf der Praxis. Anhand von Fallbeispielen aus Alltag, Beruf und Engagement probieren wir Handlungsstrategien aus.
Modul 3: Anti-Schwarzen Rassismus intersektional reflektieren. Freitag, 20.11.2026
Der Workshop bietet einen Reflexions- und Resonanzraum für die Auseinandersetzung mit Anti-Schwarzem Rassismus. Gemeinsam beschäftigen wir uns mit seinen gesellschaftlichen, institutionellen und alltäglichen Wirkungsweisen und beziehen dabei intersektionale Perspektiven mit ein. Ausgehend vom Ansatz Wahrnehmung – Haltung – Handlung (Kinder/Piesche) der RAA Berlin verbinden wir fachliche Impulse mit Austausch, Reflexion und Beispielen aus unserer Praxis. Dabei setzen wir uns auch mit der eigenen gesellschaftlichen Positionierung auseinander und geben Impulse für weiterführende Reflexionsprozesse und eine rassismuskritische Praxis.
Modul 4: Intersektionalität – am Beispiel muslimisch gelesener Menschen Freitag, 11.12.2026
Eine Frau mit Kopftuch erlebt im Alltag anderes als ein junger muslimisch gelesener Mann, eine queere geflüchtete Person oder eine Schwarze Muslimin. Warum ist das so? Und was bedeutet das für unser Zusammenleben, unsere Arbeit und unsere Angebote? Dieser Workshop führt in das Konzept der Intersektionalität ein. Wie verschränken sich verschiedene Machtverhältnisse und welche eigenständigen Erfahrungen und Ausgrenzungsmuster werden dabei hervorgebracht? Anhand von Beispielen aus Alltag, Medien und Institutionen betrachten wir, wie sich Verschränkungen konkret auswirken. Außerdem schauen wir darauf, wie sich muslimisch gelesene Menschen selbst organisieren und welche Perspektiven und Forderungen sie formulieren.