Campus Lecture der Ethikkommission mit Friedensforscher Maximilian Lakitsch:
Frieden beforschen in Zeiten geopolitischer und technologischer Umbrüche und Unsicherheiten
Russland oder die Ukraine, Israel oder Palästina, Aufrüstung oder Abrüstung: Hochschulen stehen in Zeiten geopolitischer Umbrüche vor der grundlegenden Frage, wie sie ihrem humanistischen Bildungsauftrag gerecht werden können, angesichts zunehmender moralischer Verunsicherung und sehr polarisierter öffentlicher Debatten.
Dieser Vortrag argumentiert, dass eine verantwortungsvolle Friedensforschung um die jeweilige geographische, kulturelle oder biographische Eingebundenheit wissen muss: Jede wissenschaftliche Perspektive auf Krieg und Frieden ist kontextuell verankert. Demgegenüber steht der aufklärerische Anspruch auf Wahrheit, der Gefahr läuft, Perspektiven jenseits der eigenen unter dem Mantel der Universalität zu verschleiern. Der Vortrag diskutiert diese Problematik und geht dabei auf konkrete Herausforderungen ein: Erstens die institutionelle Frage, wie Hochschulen mit internationalen Kooperationen umgehen sollen, wenn Partnereinrichtungen in problematische Kriegshandlungen verstrickt sind; zweitens den unkritischen Einsatz von KI in der Forschung, der individuelle Standpunkte unter einem allgemeinen, virtuellen zu verschütten droht. Es wird argumentiert, dass gerade die bewusste Reflexion eigener Standortgebundenheit die Grundlage für eine glaubwürdige, friedensorientierte Wissenschaftspraxis bildet: Diese ist bestimmt, aber nicht überheblich.