Info
Fachtag
"Ist das echt oder kann das weg? – Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf den Kinder- und Jugendschutz“
am 22.09.2025 im "mon ami", Weimar
Nach knapp 4 Jahren auf dem öffentlichen Markt sind die diversen Angebote von künstlicher Intelligenz für viele Teil des Alltages, egal ob beruflich oder privat, für andere sind sie der nahende Untergang der Menschheit und alles, was uns ausmacht.
Als neue Medientechnologie wurde KI ganz selbstverständlich von jungen Menschen in ihr Medienhandeln integriert und hat sich so schnell zur etablierten Hausaufgabenhilfe, fragwürdiger Informationsquelle und emotionalem Unterstützungsangebot entwickelt. Bei den sich wöchentlich überschlagenden Entwicklungen über die diversen Sprachmodelle und KI-Tools auf dem aktuellen Stand zu bleiben, ist nahezu unmöglich. Was also brauchen wir in der Kinder- und Jugendhilfe an Wissen und Werkzeugen, um Kinder und Jugendliche beim Umgang mit künstlicher Intelligenz zu unterstützen?
Der Fachtag „Ist das echt oder kann das weg? – Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf den Kinder- und Jugendschutz“ der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e. V. lädt pädagogische Fachkräfte am 22. September 2026 nach Weimar ein, um an diesem Tag im Jugend- und Kulturzentrum mon ami sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.
Die Veranstaltung richtet sich an alle Fachkräfte aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, aus Schulen, Kindergärten sowie Einrichtungen und Diensten der Hilfen zur Erziehung. Eingeladen sind auch Beschäftigte oder Ehrenamtstätige, die mit Kindern und Jugendlichen in deren Lebenswelten in Kontakt stehen. Im Mittelpunkt stehen der fachliche Austausch sowie die Vertiefung praxisrelevanter Ansätze im Umgang mit künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag.
Der Fachtag bietet Ihnen aktuell fachliche Impulse durch Vorträge renommierter Expert*innen, praxisorientierte Workshops mit Raum für Diskussion und Reflexion und Vernetzungsmöglichkeiten mit Fachkräften aus verschiedenen Professionen.
Eine Teilnahme vor Ort ist für bis zu 115 Personen möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt 45 €.
Den gesamten Fachtag über stehen Kaffee/Tee und Kaltgetränke als auch ein Mittagessen in Buffetform zur Verfügung.
DAS PROGRAMM
| 09:00 – 09:30 Uhr | Ankommen/Anmeldung |
| 09:30 – 09:45 Uhr | Eröffnung: Begrüßung Yasmina Ramdani und Ludwig Steinert |
| 09:45 – 10:00 Uhr | Grußwort N. N. ,Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie |
| 10:00-10:45 Uhr | Referat 1: Zwischen Schutzauftrag und Zukunftskompetenzen: Wie Kinder und Jugendliche KI nutzen und welche pädagogischen Herausforderungen daraus entstehen; Dr. Iren Schulz |
| 10:45-11:00 Uhr | Pause |
| 11:00-12:00 Uhr | Referat 2: Bedürfnisorientierte Lernräume öffnen und gestalten: Wie künstliche Intelligenz uns pädagogisch herausfordert; Nele Hirsch und Ulrike Linz |
| 12:00-13:00 Uhr | Mittagspause Markt der Möglichkeiten |
| 13:15-14:15 Uhr | Workshop 1: Schutz durch Befähigung: KI-Kompetenz als gesellschaftliche Aufgabe; Chiara Rehder, M. A. Kinder- und Jugendmedien, wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBFSFJ-Projekt AlLiS (Algorithmen Literacy und Sourcing-Kompetenz in außerschulischen Bildungssettings) an der Universität Erfurt Workshop 2: Workshop 3: Workshop 4: Workshop 5: |
| 14:15-14:30 Uhr | Kaffeepause |
| 14:30-15:15 Uhr | Referat 3: "DON'T PANIC" – Chancen und Risiken fortgeschrittener Mustererkennungssysteme; Angelika Heyen, TLM |
| 15:15 Uhr | Ende der Veranstaltung |
DIE BEITRÄGE
REFERATE
Referat 1
Zwischen Schutzauftrag und Zukunftskompetenzen: Wie Kinder und Jugendliche KI nutzen und welche pädagogischen Herausforderungen daraus entstehen
Dr. Iren Schulz
Künstliche Intelligenz ist der Begleiter beim Lernen, der neue Freund, wenn es langweilig wird oder das Styling-Tool fürs optimale Aussehen. In der Lebenswelt von Heranwachsenden und ihren Familien ist KI bereits fester Bestandteil des Alltags. Im Fokus stehen KI-gestützte Anwendungen, die junge Menschen zum Lernen, zur Unterhaltung oder zur Selbstinszenierung nutzen – und die zugleich neue Risiken mit sich bringen, etwa im Hinblick auf Manipulation, Desinformation, Datenschutz, Grenzverletzungen oder Abhängigkeiten. Für pädagogische Fachkräfte eröffnet sich damit ein Balanceakt, der sich zwischen Schutz, Befähigung und Teilhabe aufspannt und mit neuen Fragestellungen und methodischen Ansätzen einhergehen muss. Der Inputvortrag eröffnet den Fachtag mit einem praxisnahen Blick auf typische Nutzungsszenarien und fragt danach, welche Perspektiven und Anknüpfungspunkte sich daraus für den Kinder- und Jugendschutz ergeben. Der Input richtet sich an Fachkräfte, die aktuelle Entwicklungen besser verstehen, ihre Handlungssicherheit stärken und KI als relevantes Querschnittsthema im Kinder- und Jugendschutz reflektiert in ihre Praxis integrieren möchten. Im anschließenden Austausch ist Raum für Austausch und Diskussion.
Iren Schulz, Foto:
Delf Zeh
Die Referentin ist selbstständige Medienpädagogin und Kommunikationswissenschaftlerin. Sie studierte Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Erziehungswissenschaft an der Universität Leipzig und promovierte an der Universität Erfurt zum Thema „Mediatisierte Sozialisation im Jugendalter“. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Kinder- und Jugendmedienforschung und führt Workshops sowie Fortbildungen für Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte durch. Ihre Schwerpunkte liegen auf den Chancen und Risiken digitaler Medien sowie der Förderung von Medienkompetenz. Zudem ist sie als Dozentin an verschiedenen deutschen Hochschulen tätig und engagiert sich seit 2017 als Mediencoach bei der Initiative „Schau Hin! Was dein Kind mit Medien macht“.
Referat 2
Bedürfnisorientierte Lernräume öffnen und gestalten: Wie künstliche Intelligenz uns pädagogisch herausfordert
Nele Hirsch und Ulrike Linz
In diesem interaktiven Impuls stellen wir die Frage, wo in einer zunehmend KI geprägten Welt der Fokus unserer pädagogischen Tätigkeit liegen sollte. Die Ausgangsthese lautet dabei, dass es nicht um einen Wettlauf mit Maschinen gehen sollte, sondern um eine Besinnung auf das, was uns als Menschen ausmacht. Lernräume lassen sich dann gezielt so gestalten, dass sie genau diese menschlichen Fähigkeiten zur Entfaltung bringen. Das legt einen bedürfnisorientierten Ansatz nahe, der nicht von den Möglichkeiten der Technik, sondern von den Menschen und ihren Lern- und Entwicklungsbedürfnissen her denkt. Es geht somit nicht darum, ein Deskilling zu verhindern oder ein Upskilling zu versuchen, sondern ein Deepskilling zu ermöglichen: also nicht bloß den Verlust von Kompetenzen abzuwehren oder zusätzliche (technische) Fertigkeiten aufzuschichten, sondern jene tiefer liegenden, genuin menschlichen Fähigkeiten zu vertiefen, die uns auch in einer von KI durchdrungenen Welt tragfähig machen. Der Impuls stellt diese grundsätzliche These vor und lädt alle Beteiligten dazu ein, sich untereinander darüber auszutauschen und gemeinsam zu reflektieren, wie sich der Gedanke in den jeweils eigenen pädagogischen Kontext übertragen lässt.
Nele Hirsch, Bildquelle: https://ebildungslabor.de/bb/
Nele Hirsch ist Bildungswissenschaftlerin und Pädagogin mit dem Schwerpunkt auf gutem Lernen im digitalen Wandel. Sie arbeitet freiberuflich im von ihr gegründeten eBildungslabor und begleitet Schulen, Hochschulen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie zivilgesellschaftliche Organisationen bei der Gestaltung zeitgemäßer Bildungsprozesse. Zu ihren Schwerpunkten zählen Offenheit, digitale Mündigkeit, kollaborative und kreative Lernmethoden, Open Educational Resources (OER), Künstliche Intelligenz, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie innovative Lernformate. Dabei versteht sie die digitale Transformation als Gestaltungsaufgabe und setzt sich dafür ein, Menschen zur aktiven Mitgestaltung zu befähigen.
Ulrike Linz, Bildquelle: https://linzspiration.de/
Ulrike Linz leitet das Sachgebiet Fortbildung im Dezernat Medien der Hessischen Lehrkräfteakademie. Als Gymnasiallehrerin für Darstellendes Spiel, Deutsch und Evangelische Religion verfügt sie über langjährige pädagogische Erfahrung. Darüber hinaus hat sie sich in den Bereichen Coaching, systemische Beratung, Organisationsentwicklung, neurosystemische Integration und Co-Creative Facilitation umfassend weiterqualifiziert und verbindet diese Kompetenzen in ihrer Arbeit in der Lehrkräftefortbildung.
Referat 3
DON'T PANIC – Chancen und Risiken fortgeschrittener Mustererkennungssysteme
Angelika Heyen
„Was steckt eigentlich hinter aktuellen KI-Systemen? Was können sie und was nicht? Der Vortrag erklärt, wie moderne Mustererkennung funktioniert – und warum KI beeindruckende Ergebnisse liefern kann, ohne wirklich zu verstehen. Besprochen werden Stärken und Möglichkeiten solcher Systeme, aber auch Grenzen, Probleme und Risiken. Im Mittelpunkt stehen Fragen des Jugendmedienschutzes und der Medienaufsicht: Wie entstehen Desinformation, Deepfakes oder diskriminierende Ergebnisse? Welche Rolle spielen Plattformen, Algorithmen und Chatbots? Und wie können Regulierung, Transparenz und ethische Leitlinien helfen, KI verantwortungsvoll zu nutzen? Der Vortrag lädt dazu ein, KI weder zu überschätzen noch zu unterschätzen – sondern informiert, kritisch und handlungsfähig mit ihr umzugehen.
WORKSHOPS
Workshop 1
Schutz durch Befähigung: KI-Kompetenz als gesellschaftliche Aufgabe
Chiara Rehder
Künstliche Intelligenz ist längst Teil jugendlicher Lebenswelten: Jugendliche nutzen KI-Anwendungen für schulische Aufgaben, zur Informationssuche, zur Unterhaltung und zunehmend auch als soziale Bezugspunkte im Alltag. Dabei kommt vor allem die Frage auf, wie Jugendliche Chancen und Risiken von KI einschätzen sowie KI informiert, kritisch reflektiert und selbstbestimmt nutzen können.
Der Input gibt Einblicke in ein Forschungsprojekt zur Förderung von KI-Kompetenzen bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Vorgestellt werden zentrale Erkenntnisse darüber, wie Jugendliche KI tatsächlich nutzen, welches Vorwissen und welche Vorstellungen sie dabei mitbringen und wie man relevante Kompetenzen aus medienpädagogischer Sicht fördern könnte. Darüber hinaus lädt der Workshop die Teilnehmenden dazu ein, eigene Perspektiven, Erfahrungen und Fragestellungen einzubringen. Gemeinsam möchten wir in den Austausch darüber treten, was Jugendliche in einer KI-geprägten Welt benötigen und wie Fachkräfte sie dabei begleiten und stärken können.
Workshop 2
KI in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Marc Hupfeld & Frank Röhrer
Kinder und Jugendliche wachsen in einer Welt auf, in der Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend ihren Alltag beeinflusst – sei es durch Sprachassistenten, smarte Apps oder KI gestützte Inhalte in sozialen Medien. Für Fachkräfte in der Kinder- und Jugendarbeit stellt sich daher die Frage: Wie kann KI sinnvoll, kreativ und pädagogisch verantwortungsvoll in der Arbeit mit jungen Menschen eingesetzt werden? Dieser Workshop bietet einen praxisnahen Einstieg in die medienpädagogische Nutzung von KI. Die Teilnehmenden lernen kreative Werkzeuge kennen, reflektieren ethische Herausforderungen und entwickeln eigene Ideen, wie Kinder und Jugendliche zu kritischen, kreativen und aktiven Gestalter*innen im digitalen Raum werden können.
Workshop 3
Battle of the Prompts – Wer schreibt die besten Prompts?
Thilo Eisermann
In diesem Workshop bleibt es nicht nur theoretisch: Nach einer ganz kurzen Einführung ins Thema KI-Prompting stellen sich zwei Teams der ultimativen Herausforderung: Dem Battle of the Prompts! Welches Team schreibt die geschicktesten Prompts? Welche Bilder, Texte und Songs können die Jury – das Publikum – überzeugen?
Im spielerischen Kontext erkunden wir die Möglichkeiten, Grenzen und Probleme verschiedener KI-Tools, keine Vorerfahrung notwendig.
Workshop 4
Lernraumgestaltung in der Praxis
Nele Hirsch und Ulrike Linz
Aufbauend auf dem Impulsvortrag am Vormittag erkunden und entwickeln wir, wie eine bedürfnisorientierte Lernraumgestaltung gerade im Kontext von KI praktisch aussehen kann. Teilnehmende sind eingeladen, das Lernraumkonzept für ihren Kontext aufzugreifen und weiter zu denken.“
Workshop 5
Was macht die KI da eigentlich? Mit Aktiver Medienarbeit KI kennenlernen, reflektieren und kreativ nutzen
Dr. Iren Schulz
Künstliche Intelligenz wird in der pädagogischen Praxis häufig als komplexes, abstraktes Thema wahrgenommen, dass sich kaum in kreative Methoden integrieren lässt. Der Workshop knüpft an die Aktive Medienarbeit als Methode der handlungsorientierten Medienpädagogik an, um KI für Kinder, Jugendliche und Fachkräfte gleichermaßen begreifbar zu machen. Dabei geht es nicht um technische Perfektion oder Toolwissen, sondern um das eigene Tun, Erleben und Reflektieren. Im Mittelpunkt stehen drei ausgewählte, praxiserprobte Methoden, mit denen Kinder und Jugendliche KI aktiv erkunden, hinterfragen und kreativ nutzen können. Die Teilnehmenden lernen Methoden kennen, die sowohl analoge als auch digitale Zugänge verbinden und die Selbsttätigkeit, Partizipation und kritische Medienreflexion fördern und die zu den zentralen Prinzipien der Aktiven Medienarbeit gehören. Der Workshop richtet sich an Fachkräfte, die ihre medienpädagogische Praxis um das Thema KI erweitern möchten und Interesse daran haben, konkrete Methoden kennenzulernen, die unmittelbar in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einsetzbar sind. Eigene Erfahrungen, Fragen und Praxisbeispiele der Teilnehmenden werden aktiv in den Austausch einbezogen.
Der Fachtag ist eine Veranstaltung der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e. V.
