Anmeldung (noch 59 verfügbar)
Info
"Zuständig? Verantwortlich! - Hilfen zwischen Anspruch und Alltag" (Fachtag von Ombud LSA)
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.
Für Verpflegung während der Tagung ist gesorgt, inklusive eines veganen Mittagessens. Entsprechend ist das Mitbringen eigener Speisen und Getränke durch den Betreiber untersagt.
Programm
08:30 Uhr Ankommen und Austausch
09:00 Uhr Eröffnung und Grußworte
09:30 Uhr Bericht und Austausch "6 Jahre Ombudschaftliche Arbeit in Sachsen-Anhalt"
10:00 Uhr Pause
10:15 Uhr Impulsreferat "Zwangsnormalisierung – ethische Begründungslinien pädagogischer Fachlichkeit zwischen Eingriffsrecht und Selbstbegrenzung"
11:00 Uhr Podiumsdiskussion zu Herausforderungen und Perspektiven der Kinder- und Jugendhilfe im Land
12:15 Uhr Mittagspause (vegan)
13:15 Uhr Fachforen (parallel)
15:00 Uhr Kaffeepause
15:15 Uhr Lesung "Careleaving Storys - Geschichten aus der Jugendhilfe"
15:45 Uhr Abschluss und Tagungsende
Infos zum Impulsreferat
"Zwangsnormalisierung – ethische Begründungslinien pädagogischer Fachlichkeit zwischen Eingriffsrecht und Selbstbegrenzung"
Zwang als zweckbestimmtes Mittel sozial- und sonderpädagogischer Praxis bleibt fachlich umstritten und diskussionsbedürftig.
Wenn Zwangsanwendungen einerseits als Eingriffe bei Regelverletzungen jugendlicher „Grenzgänger“ ein Praxisproblem darstellen, stellt sich andererseits die Frage nach einer professionellen Begründungsstrategie. Zwang als Vermittlungsaufgabe, die im Zweifel qua Amt eine Intervention zugunsten des Personenwohls rechtfertigt, ist ohne einen professionellen Abwägungsprozess ethisch unzureichend. Zweifelsohne gibt es dennoch Alltagsherausforderungen, die in Krisen und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen Zwangseingriffe legitimieren.
Der Vortrag thematisiert kritisch die Normalisierung jener Zwangspraktiken, die alternative Hilfen regelrecht unterlaufen und damit den Versuch unternehmen, Zwangsoptionen als „natürliche“ Handlungsoption zu etablieren.
Prof. Dr. Sven Heuer, ab 2024 Übernahme der Professur für Grundlagen und Theorien der Sozialen Arbeit an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Theoriebildung der Sozialen Arbeit, schulische und außerschulische Erziehungshilfe, berufliches Übergangsmanagement, Intensivpädagogik und besondere Phänomenbereiche z. B. wie Straf- oder Zwangspraktiken in der Sozialen Arbeit.
Infos zu den Fachforen
Fachforum I: Reflexive Intensivpädagogik
Durchführung: Prof. Dr. Sven Heuer
Spätestens seit dem Film „Systemsprenger“ wird die Frage nach intensivpädagogischen Maßnahmen und Interventionen nicht nur im Fachdiskurs wahrgenommen. Intensivpädagogische Wohngruppen oder schulersetzende Maßnahmen verstehen sich als reintegrative Konzepte, die sich an exkludierte und als systemisch schwierig wahrgenommene Kinder und Jugendliche in Multiproblemlagen richten.
Neben professionsethisch unverdächtigen Maßnahmen etablieren sich im Feld der Kinder- und Jugendhilfe zunehmend auch strittige, eingriffsintensive Konzepte, wie z.B. geschlossene Unterbringungen oder andere verhaltenskorrigierende Konzepte. Fachkräfte treffen in ihrer Praxis zentrale Urteile und Entscheidungen über die entsprechende Eignung, Erforderlichkeit und pädagogische Notwendigkeit dieser Interventionen.
Als Impuls für eine reflexive Intensivpädagogik werden im Fachforum Professionskonzepte und Methoden des intensivpädagogischen Fachdiskurses reflektiert und erprobt. Entscheidend ist hierbei die Frage, wie wir die entsprechenden Instrumente kritisch prüfen und für individualisierte Hilfeprozesse angemessen einsetzen und nutzen.
Fachforum II: Wenn das Hilfesystem an seine Grenzen kommt und trotzdem trägt
Durchführung: Søren Alexander John (Caritas Erziehungshilfe Bremen) und Jana Schüßler (DRK Bremen) - Intensivpädagogische Wohngruppe PortNord
Fünf Kinder ab acht Jahren, geprägt von Brüchen, gefangen in einer negativen Spirale mit Schule, Gesellschaft und Hilfesystem: sogenanntes Hoch-Risiko-Klientel, für das Regeleinrichtungen nicht mehr greifen. Im Trägerverbund von Caritas Erziehungshilfen, IKJF und DRK-Kreisverband Bremen entsteht ein Ort, der zuerst Sicherheit schafft und Beziehung aushält niedrigschwellig, intensiv, belastbar. Auf dem Fachtag teilen wir, was trägt, wo wir an Grenzen stoßen und welche Haltung es braucht, um nicht aufzugeben.
Fachforum III: Leaving Care im Fokus – Praxisimpulse aus Thüringen
Durchführung: Bianca Wirth (Careleaver-Zentrum Thüringen - CLZT) und Christin Spens (Careleaver im Kyffhäuserkreis -CLiK)
Wie können Übergänge so gestaltet werden, dass junge Menschen sich getragen und nicht allein fühlen? Der Jugendberufshilfe Thüringen e.V. lädt Sie ein, Einblicke in die Arbeit des Careleaver-Zentrum Thüringen (CLZT) und CLiK (Careleaver im Kyffhäuserkreis) zu gewinnen. Erleben Sie einen kurzen Film mit Stimmen junger Menschen und kommen Sie in den Austausch über Herausforderungen und gelingende Wege. Lassen Sie sich inspirieren, neue Perspektiven mitzunehmen und Ihre eigene Praxis zwischen Zuständigkeit und Verantwortung weiterzuentwickeln. „Weil eigenständig nicht heißt, allein gelassen zu werden.“ (Brückensteine Careleaver)
Fachforum IV: Externe Beschwerdemöglichkeiten für Einrichtungen entwickeln – eine Überforderung für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe?
Durchführung: Henriette Grapentin und Andre Kapuczinski (Beschwerdestelle für Mitwirkungs- und Beteiligungsrechte (BeMiBe) in Leipzig; Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V.)
Externe Beschwerdestellen sollen junge Menschen in Einrichtungen schützen und deren Beteiligungsrechte sichern. Seit nunmehr 5 Jahren sind sie rechtlich gefordert, Träger stehen bei der Ausgestaltung aber immer noch vor großen Herausforderungen. Wir überlegen gemeinsam, wie gute Beschwerdemöglichkeiten aussehen können und woran es in der Praxis gegebenenfalls hängt.
Infos zur Lesung
Durchführung: Larissa Brockmann und Kathi Weiler, Projekt Careleaving Storys
Careleaving Storys ist ein ein Projekt - geführt und gestaltet von Menschen, die alle selbst Jugendhilfeerfahrung haben. Im Dezember 2022 erschien die Anthologie „Careleaving Storys“ mit Geschichten aus dem Leben vor, während und nach der Jugendhilfe. 2025 erschien das neue Buch „Careleaving Storys II“. Es ist ein Sammelband, in dem 40 Menschen, die in der Jugendhilfe gelebt haben, ihre Erinnerungen, Zweifel, Hoffnungen und Erfahrungen teilen. Bei der Lesung werden ausgewählte Geschichten vorgelesen, die einen Einblick in Lebensrealitäten geben, die allzu oft übersehen werden.
Veranstaltungsort
DJH Jugendherberge HalleGroße Steinstraße 60
06108 Halle (Saale)
Deutschland
Koordinaten (Lat, Long):
51.486298, 11.975974
Karte anzeigenRoutenplanung
Hinweise
Wichtiger Hinweis: Eingeschränkte Parkmöglichkeiten ab 18.08.25! Aufgrund von Bauarbeiten ist unser Parkplatz derzeit nur für Reisebusse nutzbar. Bitte nutzt die extra ausgewiesenen Ausweichparkplätze (weitere Infos – siehe Anreise ). Die E-Ladesäule steht nicht zur Verfügung. Wir danken für Ihr Verständnis!