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Die Tagung widmet sich dem gesellschaftlichen Orientierungswissen, das historische Forschung und Reflexion bieten können. Sie beleuchtet das Spannungsfeld von vergangenheitsbezogener Orientierung und Desorientierung in Phasen gesellschaftlicher Umbrüche und analysiert historische Begründungen politischer Visionen. Sie befasst sich mit der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Geschichte im öffentlichen Raum und beleuchtet, wie Mensch-Natur-Beziehungen als historisches Argument genutzt werden. In geschichtsvermittelnder Hinsicht fragt sie danach, wie und welche Werte in partizipativen Formaten im Museumsbereich kommuniziert und geschaffen werden und welche neuen Möglichkeiten es für eine gegenwartsbewusste Aneignung von Geschichte in der Schule gibt. Abschließend diskutiert sie, welche Relevanz Geschichte im politischen Raum heute hat.
Die Jahrestagung 2026 richtet sich an alle Interessenten, die Geschichte verhandeln – sei es in Wissenschaft, Museen, Gedenkstätten, Schule, Politik, Medien oder in der Alltagsdiskussion.
Der Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“ untersucht Wertbildungsprozesse ebenso wie Wertekonkurrenzen in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen über die Vergangenheit. Er fragt nach dem Stellenwert der Vergangenheit für Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart und er reflektiert den Orientierungswert, der der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft beigemessen wird. Näheres zum Forschungsverbund finden Sie auf unserer Website: www.leibniz-wert-der-vergangenheit.de.
Das Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung ist die zentrale Aufbewahrungsstätte für Quellen aller Art zur Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiter:innenbewegung und versteht sich als das ungedruckte Gedächtnis von Sozialdemokratie und Gewerkschaften, einzelnen Persönlichkeiten sowie verschiedenen Organisationen und Bewegungen aus dem Umfeld. In dieser Hinsicht bietet das AdsD Expertise zu archivischen Fragen sowie zur Public History. Letztere arbeitet an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik, um über historische und erinnerungskulturelle Fragen aufzuklären und zu Debatten beizutragen.
Programm
Donnerstag, 12. November 2026
Ankunft
13:00 – 14:00 Uhr
Einführung und Grußworte
14:00 – 14:30 Uhr
Sabine Fandrych (Geschäftsführender Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung)
Christoph M. Schmidt (Präsident der Leibniz-Gemeinschaft)
Achim Saupe (Geschäftsführender Koordinator des Leibniz Forschungsverbunds „Wert der Vergangenheit“)
Panel 1: Historische Orientierung in Umbruchphasen
14:30 – 16:00 Uhr
Moderation: Ulrike Jureit (Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur)
Nicolas Berg (Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Leipzig)
Die Zerstörung in urbanen Topographien sichtbar machen: Zur Wiederentdeckung jüdischer Geschichte in der Zeitschrift „Merian“ (1948-1998)
Barbara Picht (Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin)
„Generation Deutschland“. Die Affinität rechter Diskurse zum Generationenbegriff
Thomas Weller (Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, Mainz)
Frühneuzeitliche Zwangsmigrationen und ihr Orientierungswert für die Gegenwart
Panel 2: Historische Begründungen politischer Visionen
16:30 – 18:00 Uhr
Moderation: Peter Beule (Friedrich-Ebert-Stiftung)
Achim Saupe (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam)
Historische Begründungsmuster und politische Zielsetzungen in Grundwerte-Diskussionen der 1970er bis 1990er Jahre
Christian Rau (Leibniz-Institut für Zeitgeschichte, München-Berlin)
Der Orientierungswert des Umbruchs von 1989/90 in Protestkulturen der Gegenwart
Stefan Kroll (Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt a. M.)
How Does the Past Matter? Der russische Aggressionskrieg gegen die Ukraine und der Kalte Krieg
Abendveranstaltung
19:30 – 20:45 Uhr
Moderation: Anja Kruke (Friedrich-Ebert-Stiftung)
Martin Sabrow (Sprecher des Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“)
Was lehrt(e) die Vergangenheit? Zum Orientierungswert der Geschichte in der Gegenwart
Freitag, 13. November 2026
Panel 3: Mensch-Natur-Beziehungen als historisches Argument
9:30 – 11:00 Uhr
Moderation: Bernhard Gißibl (Leibniz-Institut für europäische Geschichte, Mainz)
Georg Toepfer (Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin)
Der Orientierungswert der Vergangenheit im Diskurs des Naturschutzes und der ökologischen Krise der Gegenwart
Katharina Schmidt-Loske (Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels, Bonn)
50 Jahre Naturschutzdiskurs – Lernen aus ökologischen Katastrophen und Klimawandelszenarien?
Michael Farrenkopf / Torsten Meyer (Deutsches Bergbau-Museum, Bochum)
Von der Desorientierung zur neuen Werteorientierung? Industriekultur im Umbruch zwischen Montanlandschaft und Anthropozän
Roundtable: Werte und Partizipation im Museum
11:30 – 12:45 Uhr
Moderation und Einführung: Ruth Schilling (Deutsches Schifffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für Maritime Geschichte, Bremerhaven)
Dominik von Roth (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg)
Miriam Wenzel (Jüdisches Museum, Frankfurt a. M.)
Steffen Wiegmann (Stadtmuseum Oldenburg)
Panel 4: Un-/Sichtbarkeit von Vergangenheit im öffentlichen Raum
14:00 – 15:45 Uhr
Moderation: Katja Stopka (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam)
Jürgen Martschukat (Universität Erfurt)
Eigentumsungleichheit und Rassismus in den USA: Vom Wert der Vergangenheit als Kritik der Gegenwart
Arnold Bartetzky (Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa, Leipzig)
Das Verschwinden – und Beseitigt-Werden – von Geschichte/Vergangenheit im öffentlichen Raum
Johanna Blokker (Brandenburgische Technische Universität, Cottbus-Senftenberg)
Koloniales Erbe im öffentlichen Raum: Eine Zwischenbilanz
Simon Donig (Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg)
Was ermöglichen digitale Archive, und was macht ein algorithmisches Gedächtnis unsichtbar?
Roundtable: Gegenwartsbewusste Aneignung von Geschichte in der Schule
16:15 – 17:30 Uhr
Moderation: Barbara Christophe (Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut, Braunschweig)
Robert Rauh (Historiker und Lehrer, Berlin)
Raphael Utz (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, Dresden)
Lale Yildirim (Universität Kiel)
Abschlussdiskussion: Der Wert der Vergangenheit im politischen Raum
17:45 – 19:00 Uhr
Moderation: Jaqueline Boysen (Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung, Berlin)
Gabriele Metzler (Direktorin des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung, Potsdam)
Peggy Piesche (Bundeszentrale für Politische Bildung)
Martin Sabrow (Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds „Wert der Vergangenheit“)
Wolfgang Thierse (Bundestagspräsident a. D.)
Veranstaltungsort
Friedrich-Ebert-StiftungHaus 1
Hiroshimastraße 17
10785 Berlin
Deutschland
Koordinaten (Lat, Long):
52.508266, 13.358769
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