Echte Männer? Ungleichwertigkeitsideologien und Geschlechterbilder hinter Gittern
Gewalt hat ein Geschlecht: Bei Gewaltdelikten und dadurch auch im Strafvollzug sind Männer deutlich überrepräsentiert – mehr als 90 % der Inhaftierten sind männlich. Gleichzeitig stützen sich extremistische Ideologien auf starre und von Ungleichwertigkeit geprägte Geschlechterbilder.
Wie greifen Vorstellungen von Männlichkeit und Geschlecht in extremistische Erzählungen ineinander? Wo und wie entstehen neue ungeahnte Verbindungen – etwa in der sogenannten "Mannosphäre" bzw. im Antifeminismus? Und welche Handlungsmöglichkeiten bietet eine geschlechterreflektierende Arbeit mit Strafgefangenen? Diesen und weiteren Fragen widmen wir uns beim Fachtag.
Tagesprogramm
09.30 Uhr: Ankommen
10.00 Uhr: Begrüßung und Grußwort (Michael Ruch, Ministerium der Justiz Rheinland-Pfalz)
10.25 Uhr: Keynote: Echte Männer sind rechts? Gekränkte Männlichkeit, Antifeminismus und Rechtsextremismus (Veronika Kracher)
11.20 Uhr: Pause
11.35 Uhr: Keynote: Femizide in Deutschland – Welche Rolle Männlichkeitsbilder bei Tötungsdelikten spielen (Paulina Lutz)
12.30 Uhr: Mittagspause (inkl. Mittagessen)
13.30 Uhr: Workshops
1. Workshop: Männlichkeitsbilder in extremistischen Ideologien - Schnittmengen, Dynamiken und Handlungsperspektiven im Strafvollzug (Daniel Mempel und Jamie-Lee Oster: Projektmitarbeitende von Yallah Justiz)
Workshop-Beschreibung: Der Workshop nimmt Männlichkeitsbilder in extremistischen Ideologien unter die Lupe und zeigt ihre gemeinsamen Muster und Dynamiken. Es wird beleuchtet, welche Rolle diese Männlichkeitsbilder auf Radikalisierungsprozesse und Gewalt spielen können. Darüber hinaus werden praxisnahe Impulse und Handlungsperspektiven für einen professionellen und reflektierten Umgang mit der Thematik im Arbeitsalltag des Strafvollzugs erarbeitet.
2. Workshop: Von Alpha-Männern und Tradwives: Antifeministische Online-Radikalisierung erkennen und bekämpfen (Veronika Kracher)
Workshop-Beschreibung: Früher mussten Neonazis auf Schulhöfen CDs verteilen, heute nutzen sie TikTok und Instagram. Ihre Propaganda appelliert gezielt an gekränkte Männlichkeit, misogyne und
queerfeindliche Ressentiments, da diese gesellschaftlich omnipräsent und systemisch verankert sind. Damit radikalisieren sie bereits Teenager in faschistische Ideologien und Bewegungen. Der Workshop analysiert anhand von Primärmaterial die gängigen Narrative und Methoden antifeministischer Online-Radikalisierung und soll motivieren, Gegenstrategien zu entwickeln und selbst gegen rechte Mobilmachung aktiv zu werden.
3. Workshop: Sexuelle Bildung und kritische Männlichkeit mit jungen Männern in Haft (Lynn Marquardt: EXIT-EnterLife)​​​​​​​
Während professionelle sexuelle Bildung für viele Jugendliche und junge Erwachsende ohnehin nur begrenzt zugänglich ist, haben junge Menschen in Haft noch weit weniger Möglichkeiten, offen über Sexualität, Beziehungen und kritische Männlichkeitsbilder zu sprechen und diese zu reflektieren. Der Workshop zeigt, wie emanzipatorische und auf Freiwilligkeit basierende Bildungsarbeit auch in der totalen Institution Gefängnis gelingen kann und welche Herausforderungen bleiben.
15.30 Uhr: Pause
15.45 Uhr: Abschlussdiskussion: Geschlechterbilder und Männlichkeit im Gefängnis
Interview moderiert von Karin Meißner (Projektleitung Yallah Justiz) mit Marie Baumgarten (Pädagogische Leitung FEDiS), Jens Weber (Pädagogischer Dienst, JVA Saarbrücken) und Susan Kaufmann (Psychologischer Dienst, JVA Rohrbach)
16.30 Uhr: Ende der Veranstaltung