Info
Lechler Forum - Frühkindliche Bildung und Inklusion in Baden-Württemberg
11. Forum: Auf der Suche nach dem guten Leben - Ethische Standards in der frühkindlichen Bildung
09.00 Uhr Ankommen / Markt zu Ethischen Standards in der Kindertagesbetreuung
TAGUNGSPROGRAMM
09.50 Uhr Künstlerischer Beitrag I
10.00 Uhr Begrüßung: Heinz Gerstlauer, Stiftungsvorstand der Lechler Stiftung
Grußwort: N.N. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg (angefragt)
Impulsvortrag I
Die Suche nach dem guten Leben für alle - Ethische Grundlagen in der Kindertagesbetreuung
Prof. Dr. Annedore Prengel, Uni Potsdam
Interaktive Fragerunde
Künstlerischer Beitrag II
Impulsvortrag II
Netzwerken mit System und Mehrwert für Kinder: Wie aus Kontakt Kooperation werden kann
Johanna Nolte, Kiel
Interaktive Fragerunde
Interview mit Sigrid Klausmann zur gegenwärtigen Bedeutung des Films Lisette und ihre Kinder –
Ein Dokumentarfilm von 2009
Künstlerischer Beitrag III
13.00 Uhr Mittagspause: Fingerfood und Markt zu „„Ethischen Standards in der Kindertagesbetreuung“
14.00 Uhr WORKSHOP
WS 1: Subjektives Erleben der Kinder in heterogenen Gruppen: Übungen zum pädagogischen Perspektivenwechsel
Prof. Dr. Annedore Prengel, Uni Potsdam
Je besser Pädagoginnen und Pädagogen erkunden, was Kinder subjektiv empfinden, umso angemessener können sie Arbeitshypothesen und förderliche Handlungsweisen entwickeln. Das gilt vor allem in schwierigen Lern- und Beziehungssituationen. Der Workshop bietet kreative Übungen zur intuitiven Perspektivenübernahme. Dabei wird professionelle Empathie als Dimension der pädagogischen Diagnostik und der alltäglichen Beziehungspraxis erfahrbar.
Die Teilnahme an diesem Workshop erfordert die Bereitschaft, sich in individuelle Gefühlswelten von Kindern hineinzuversetzen.
WS 2: Praktische Methoden zur Netzwerkarbeit
Johanna Nolte, Fachreferentin Kita im Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen und Netzwerkberaterin, Kiel
Im Alltag der Kita ist die Pflege und der Aufbau von Netzwerken und die Planung von Kooperationen oft nur begrenzt machbar. Es gilt: Vernetzungspflege, Netzwerkaufbau und Kooperationen sind nur dann sinnvoll, wenn sie mit dem Kitaauftrag, den Lebenswelten der Kinder und Familien und zum Sozialraum der Kita in Verbindung stehen. Dies wiederum bedeutet, dass hilfreiche Netzwerke nicht zufällig und naturwüchsig entstehen. Sie brauchen strategische Überlegungen, gezielte Planung und klare Vereinbarungen. Auch und gerade in der Umsetzung von internen Vernetzungsstrukturen ist es wichtig, nicht einfach „drauflos“ zu netzwerken. Tragfähige und nachhaltige Netzwerke, die auch in der Öffentlichkeit so wahrgenommen werden können, müssen gut geknüpft sein.
Mit konkreten Methoden und hilfreichen Werkzeugen ist dies auch und gerade im Alltag umsetzbar. Netzwerkkarten, Erkundungsstrategien und gezielte Partnerschaften werden im Workshop erprobt, diskutiert und für die Praxis übersetzt.
WS 3: Lisette und ihre Kinder – Ein Dokumentarfilm von 2009 - Film und Filmgespräch
Sigrid Klausmann, Regisseurin, Schneegans Productions, Stuttgart
Wir schauen gemeinsam den Dokumentarfilm „LISETTE und ihre Kinder“ (2009, 75 min) der die Erzieherin Lisette Siek-Wattel während ihres letzten von 33 Arbeitsjahren in einem kleinen Kindergarten in Stuttgart-Vaihingen begleitet. Er macht deutlich, wie sehr sich die Situation für unsere Kleinsten verändert hat. Wie aktuell ist der Film heute noch? Darüber diskutieren wir im Anschluss an den Film.
WS 4: Wenn Kinder als anders markiert werden – Möglichkeiten einer diskriminierungskritischen pädagogischen Praxis.
Prof.‘in Dr. Nadine Sylla, Professorin für Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft, Evangelische Hochschule Ludwigsburg
Diversität begegnet uns überall, wo Menschen zusammenkommen und somit auch in der Kita. Kinder bringen unterschiedliche Identitätsaspekte z.B. hinsichtlich Herkunft, Religion, Erstsprache, Nationalität und Aufenthaltsstatus mit, die sich auf ihre Chancen auf Zugang und Teilhabe an der Gesellschaft auswirken. Kita ist nicht frei von gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Daher braucht es eine kontinuierliche Reflexion sowie eine institutionelle Verankerung von Diskriminierungskritik.
Im Workshop werden zum einen die eigenen Prägungen und Bilder im Kopf aufgegriffen, die sich auf das pädagogische Handeln auswirken können. Zum anderen wird mithilfe des Konzepts der Diskriminierungskritik betrachtet, wie Barrieren und Ungleichbehandlung abgebaut werden können. Ergänzend werden Kinderbücher ausgestellt, die Vielfalt und Repräsentation unterschiedlicher Lebensrealitäten zeigen.
WS 5: Kita als Zukunftswerkstatt: Mit der BNE-Brille Erfahrungsräume für Kinder öffnen
Karin Wirnsberger, Leitung der KITA-Projekte am Entwicklungspädagogischen Informationszentrum EPiZ in Reutlingen
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist kein zusätzliches Thema – BNE ist eine Haltung und eine ganzheitliche Perspektive auf pädagogisches Handeln. Mit der BNE-Brille lassen sich viele Situationen im Kita-Alltag neu betrachten: Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden, Teilhabe, Ressourcen oder Vielfalt sind bereits Teil der Lebenswelt von Kindern. BNE lädt dazu ein, gemeinsam „hinter die Dinge“ zu schauen, Fragen zu stellen und globale sowie lokale Zusammenhänge zu entdecken. Kinder erleben, dass sie Teil dieser Welt sind und etwas bewirken können – das stärkt Selbstwirksamkeit, Kreativität und Mut.
Im weiterentwickelten Orientierungsplan Baden-Württemberg zieht sich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) als Leitprinzip wie ein roter Faden durch alle Bildungsbereiche. Der Workshop zeigt, wie pädagogische Fachkräfte Erfahrungsräume öffnen können, in denen Kinder Zusammenhänge entdecken, ihre Ideen einbringen und gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten.
WS 6: „Ich will aber!“ - Bedürfnisorientierte Erziehung - Chance oder Gefahr für die kindliche Entwicklung
Konstanze Augst, M.A., Abteilungsleitung Sonderpädagogisches Beratungszentrum & Annette Moser, Dipl. Psych, Systemische Therapeutin (SG)
In sämtlichen pädagogischen und sonderpädagogischen Arbeitsfeldern sind wir in signifikant erhöhtem Maße mit schwierigen, fast unlösbaren sozial-emotionalen Konflikten sowohl im Einzel- wie auch im Gruppensetting konfrontiert. Die Kinder agieren scheinbar nach ihren „Bedürfnissen“, Rücksichtnahme und Empathie finden kaum noch statt.
Darüber hinaus sehen wir spezifische Cluster von Förderbedarfen in den Bereichen Essen, Sauberkeitsentwicklung, Aufmerksamkeit. Auch Eltern berichten wiederkehrend von vielfältiger, starker Überforderung und dem Gefühl, dem Burnout nah zu sein. Inwiefern hängt diese Häufung herausfordernder Situationen und unterschiedlicher Probleme mit der aktuell weit verbreiteten und sehr populären Erziehungsmethode der sogenannten „Bedürfnisorientierten Erziehung“ zusammen?
Im Rahmen des Workshops werden wir einen differenzierten Blick auf die Ursprünge und Wirkmechanismen der sogenannten „Bedürfnisorientierten Erziehung“ werfen. Weiterführend werden Grundzüge der kindlichen Entwicklung in neurologischer und lerntheoretischer Hinsicht aufgezeigt werden. Gemeinsam werden wir auf die Wurzeln der sogenannten „Bedürfnisorientierten Erziehung“ schauen und auch hier eine kritische Würdigung einbauen.
WS 7: „Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge (Cicero)“ – Friedensbildung in der frühen Kindheit
Anne Kruck, Head of Unit Peace Education / Berghof Foundation
Die frühkindliche Phase prägt die Friedens- und Konfliktfähigkeit von Menschen nachhaltig. Neben dem Elternhaus sind Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege zunehmend wichtige Orte für Begegnung, Bildung und soziales Lernen der Kinder. Fachkräfte leisten somit täglich Friedensarbeit und brauchen Räume um diese systematisch zu reflektieren. Der Workshop führt zunächst ein in theoretische Grundlagen, Ziele und Praxiserfahrungen der Friedensbildung. Dann ist Raum für Austausch u.a. zu folgenden Fragen: Welche Formen von Gewalt erleben wir in unserem Arbeitsalltag und wie gehen wir damit um? Wie sprechen wir mit Kindern über Kriege und Kriegsängste? Wie können wir lernen konstruktiv Konflikte zu bearbeiten? Was bedeutet für uns „Frieden“ und wie können wir eine ganzheitliche „Kultur des Friedens“ (UNESCO) in unseren Einrichtungen fördern?
WS 8: „Kinder stark machen“ – ein Selbstbehauptungstraining
Nelli Thiess, Diplompädagogin, Projektverantwortliche für „Kinder stark machen“ bei tima e.V. Tübingen
Sie lernen das Präventionsprogramm »Kinder stark machen« kennen – ein Selbstbehauptungstraining für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen. Wir stellen die Arbeit vor, wie Kinder Handlungsstrategien erlernen, die sie vor einem möglichen (sexuellem) Missbrauch schützen. Wir überlegen gemeinsam, was wir im Alltag tun können, um Kinder bestmöglich zu stärken. Wir freuen uns, mit Ihnen zu erörtern, welche Aspekte in Ihrer Arbeit von Bedeutung sind und was sie schon für die Stärkung der Kinder tun.
WS 9: Rechtsextremismus im KiTa-Alltag erkennen und bearbeiten
Matthias Mauz, Bildungsreferent im Fachbereich Demokratiebildung des Stadtjugendring Stuttgart e.V.
Antidemokratische Positionen, Diskriminierung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind nicht nur Phänomene am sogenannten „rechten Rand“, sondern reichen weit in die gesellschaftliche Mitte hinein und prägen unsere gesamte Gesellschaft. Auch in unserem pädagogischen Alltag können Kinder, Eltern und Fachkräfte auf vielfältige Weise mit Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und vielem mehr konfrontiert sein.
Umso wichtiger ist es, dass wir als pädagogische Fachkräfte für die Formen, Mechanismen und Auswirkungen rechtsextremer Tendenzen sensibilisiert sind, um ihnen wirksam entgegentreten zu können. In diesem Workshop wollen wir uns mit unterschiedlichen Formen von Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und deren Auswirkung beschäftigen, sowie Möglichkeiten des Umgangs damit in der pädagogischen Praxis diskutieren.
WS 10:Forumsgespräch – Inklusive Entwicklungsförderung in Zeiten von kommunalen Sparzwängen
N.N. Städtetag BaWü (angefragt); Burkhard Gauly, Beisitzer Karlsruher Vereinigung zur Hilfe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e.V.; Daniela Steinhoff, Stellvertretende Abteilungsleitung, Inklusion „Kita für alle“, u.a., Stadt Stuttgart; N.N. Stadt Villingen-Schwenningen (angefragt)
Die Haushalte der Länder und Kommunen sind prekär. Diskussionen über Einsparungen bei der Daseinsvorsorge stehen auf der Tagesordnung. Dabei werden auch Einsparungen im Bereich der frühkindlichen Bildung gefordert.
Im Zentrum dieses Forums steht die Frage, wie sich im Spannungsfeld zwischen kommunalen Sparzwängen und dem berechtigten Interesse einer qualitativ guten Bildung für alle von Anfang an eine inklusionsorientierte Praxisentwicklung entwickeln lässt. Welche innovativen Ideen und Ansätze berücksichtigen die ethischen Grundlagen von Bildung, Erziehung und Betreuung? Welche Gelingensbedingungen gibt es und wo liegen die Barrieren?
Mit diesem Gesprächsformat sollen Vertreter*innen von Kommunen mit einer inklusionsorientierten Praxis mit den Teilnehmer*innen dieses Forums in einen offenen Dialog treten.
15.45 Uhr Gemeinsamer Abschluss
16.00 Uhr Ende