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Glaube, Landschaft und Heimat sind auf vielfältige Weise miteinander verknüpft. Lange Zeit durchdrangen religiöse Vorstellungen und spirituelle Praktiken den Alltag der Menschen und prägten ihr Leben nachhaltig. Noch heute lassen sich in Landschaft und Alltagskultur viele Zeugnisse dieser Verbindung finden.
Zum einen haben religiöse Bauwerke wie Kirchen und Klöster in der Vergangenheit die Landschaft geprägt. Sie waren als Landmarken und Orientierungspunkte weithin sichtbar und sind dies, wenn auch manchmal durch neuere Bebauung eingeschränkt, auch heute noch. Insbesondere Klosterlandschaften umfassen nicht nur die Klostergebäude selbst, sondern auch die von ihnen geprägten Kulturräume mit Wirtschaftsflächen, Wegen, Wäldern, Gewässern, Pilgerwegen und Siedlungsstrukturen, in denen sich die langfristige Wechselwirkung von klösterlichem Leben, Landwirtschaft, Spiritualität und Landschaftsgestaltung widerspiegelt. Aufgrund von sich ändernden religiösen Vorstellungen und Kirchenaustritten bleiben viele solcher Bauwerke, die häufig ortsbildprägend sind, ungenutzt. Eine zentrale Frage unserer Zeit lautete daher, wie können die Gebäude weiter erhalten und genutzt werden?
Zum anderen stehen religiös motivierte Bauwerke und spezifische Landschaftsformationen oft in engem Zusammenhang mit bestimmten spirituellen Praktiken, etwa Prozessionen, Wallfahrten, klösterlichem Arbeiten oder Formen des Bestattens. Solche Handlungen prägen Orte zu Räumen, die für die Beteiligten eine besondere, religiös aufgeladene Bedeutung gewinnen. Durch Migration und Säkularisierung werden diese religiös geprägten Landschaften jedoch vielfältiger, was immer wieder neue sichtbare Ausdrucksformen und eine Neucodierung von Landschaft entstehen lässt und auch Konflikte mit sich bringen kann. Ein Weg, Menschen in solche Veränderungsprozesse einzubeziehen, sind zum Beispiel interreligiöse Dialoge; ebenso können andere Verständigungsformate oder der Austausch im Rahmen zivilgesellschaftlichen Engagements dazu beitragen, tragfähige Lösungen zu entwickeln.
In den Themenbereichen des BHU und seiner Mitglieder – in der Baukultur, in der Kulturlandschaft, im immateriellen Kulturerbe und im nachhaltigen Heimatengagement – vollziehen sich also Veränderungen, Umnutzungen und Umdeutungen, deren jeweiligen Auswirkungen in dem Kongress aufgegriffen und diskutiert werden sollen.
Programm
Montag, 19. Oktober 2026
Moderation: Katja Auer
ab 9.30 Uhr Registrierung
10:00 Uhr Grußworte (Vor den Grußworten ist ein Gruppenfoto geplant)
Dr. Herlind Gundelach, Präsidentin des Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)
Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)
10:30 – 12:00 Uhr
Verleihung des Bundespreises Heimatengagement
12:00 Uhr Mittagspause
13:30: Grußworte (Videobotschaften)
Albert Füracker, Staatsminister der Finanzen und für Heimat
Dr. Olaf Heinrich, Vorsitzender des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege
Einführung zum Thema des Kongresses
Prof. Dr. Günter Dippold, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege
Deutsches Forum Kulturlandschaft
Thematischer Schwerpunkt: Religion im Wandel = Wandel der Kulturlandschaft
Durch sich wandelnde und neu hinzukommende religiöse und spirituelle Vorstellungen entstehen Veränderungen in der Kulturlandschaft. Entsprechend konnotierte Anlaufpunkte werden nicht mehr genutzt oder verstanden, sie werden umgedeutet oder sie verfallen. Doch es gibt immer wieder Initiativen und Engagement, diese Orte wiederzubeleben und ihre Geschichte zu vermitteln. Gleichzeitig ist aktuell eine Zunahme von Pilgeraktivitäten und spirituellem Tourismus zu beobachten. Dadurch werden religiöse Stätten und Wege zu Orten der inneren Einkehr, Achtsamkeit und persönlichen Sinnsuche transformiert – oft losgelöst von institutioneller Religiosität. In dem Forum wollen wir uns fragen: Was bedeuten Veränderungen für die Menschen vor Ort? Wie gehen sie mit diesen Veränderungen um? Wie erhalten sie kulturelles Erbe und Erinnerung und integrieren ggf. gleichzeitig Neues?
Praxisbeispiel:
Alexandra Baier, Cisterscapes
Es diskutieren:
Dr. Inge Gotzmann, Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) (Input)
Alexandra Baier, Cisterscapes
Dr. Thomas Büttner, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege
Dr. Klaus-Dieter Kleefeld, BHU-Fachgruppe Kulturlandschaft, Natur und Umwelt
Bernd Sommer, Bürgermeister Stadt Waldsassen
15:45 Kaffeepause
16:15 Uhr
Deutsches Forum Nachhaltiges Heimatengagement
Thematischer Schwerpunkt: Heimatengagement für Religion und Landschaft
In diesem Forum soll das breite Spektrum des Engagements für Heimat insbesondere im Bereich von Ausdrucksformen der Religiosität und Spiritualität aufgezeigt werden und in der Diskussion den Unterstützungsmöglichkeiten eines solchen Engagements nachgegangen werden.
Zentrale Frage dabei ist, wie es gelingen kann, dieses Bemühen zu stärken und damit die Weiterentwicklung der Regionen im Sinne der Menschen zu unterstützen.
Das Heimatengagement befasst sich vielseitig mit dem Thema, z. B. mit Kirchen, Friedhöfen, Klöstern, mit Kleindenkmälern,Neubauten, interreligiöse Dialoge, Netzwerken zum religiösen Leben, Prozessionen, heiligen Orten, Fragen von Erhalt und Unterhalt, Nutzung und vielem mehr.
Praxisbeispiel:
Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen in Bayern
Es diskutieren:
Dr. Klaus Heider, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) (Input)
German Moyzhes, Kahal Adass Jisroel e.V., Mitglied Koordinierungskreis des Berliner Forums der Religionen
Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen in Bayern
Ulrike Rose, Zukunft Kulturraum Kloster e.V. | kulturräume gestalten
Stefan Zinsmeister, Eugen-Biser-Stiftung und Islamberatung in Bayern
18:00 Uhr Abendprogramm
Dr. Rudolf Neumaier, Landesverein Bayerische Heimatpflege
Monika Drasch, Musikerin https://monikadrasch.de
Bayerischer Imbiss
Dienstag 20. Oktober 2026
10:00 Uhr Begrüßung und Einstieg in Tag 2
Gespräch über die europäische Perspektive zu dem Thema mit:
Ehsan Djafari, Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen
Dr. Uwe Koch, Europa Nostra Deutschland
10:30 Uhr
Deutsches Forum Baukultur und Denkmalpflege
In vielen Regionen wird derzeit intensiv darüber diskutiert, wie Kirchen und Klöster genutzt werden können, wenn Gemeinden schrumpfen, religiöse Praxis abnimmt und der Unterhalt der Bauten kaum noch zu finanzieren ist. Dies betrifft auch der Erhalt von Kleindenkmalen wie Bildstöcke usw. Zwischen dem Wunsch nach Erhalt als identitätsstiftende Orte und der Notwendigkeit neuer Funktionen entstehen Spannungsfelder, in denen einerseits liturgische oder kulturelle Nachnutzungen, andererseits auch Wohn-, Bildungs- oder Sozialnutzungen erprobt werden.
Zentrale Themen dieser Umnutzungsdebatte sind der respektvolle Umgang mit der sakralen Prägung, denkmalgerechte Anpassungen, die Beteiligung der lokalen Öffentlichkeit sowie tragfähige Betreiber- und Finanzierungskonzepte, damit die Gebäude als lebendige Orte in der Kulturlandschaft erhalten bleiben.
Praxisbeispiel:
Stefan Vaida, Das Netzwerk "Ambulanta pentru Monumentu"
Es diskutieren:
Dr. Vinzenz Dufter, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege (Input)
Dr. Tobias Appl, Projekt Religiöses Erbe in ländlichen Gebieten (REliHE)
Prof. Dr. Karin Berkemann, Hochschule Anhalt in Dessau
Jan Hülsemann, Netzwerk „Ambulanta pentru Monumente“
Bernhard Laukötter, Heimatverein Asbeck
12:00 Uhr Mittagspause
13:30 Uhr
Deutsches Forum Immaterielles Kulturerbe
Thematischer Schwerpunkt: Wandel in religiösen Praktiken
Viele Elemente des immateriellen Kulturerbes mit Bezug zum religiösen Erbe sind bereits in bundesweiten Verzeichnissen dokumentiert, etwa Glockenguss und Glockenmusik, Krippenkultur, Teichwirtschaft, Buchbinderhandwerk, Friedhofskultur, Braukunst, Sternsingen, Kirchenmalerei, Passionsspiele sowie Orgelbau und Orgelmusik. Viele dieser Praktiken gehen auf historische Handwerkstechniken zurück, die insbesondere in Klöstern entwickelt, verfeinert und über Generationen weitergegeben wurden.
Auch verschiedene regionale Formen von Flurumgängen und Prozessionen zählen dazu, etwa der Willibaldsritt in Jesenwang, der Further Drachenstich, die Heiligenstädter Palmsonntagsprozession, die Tölzer Leonhardifahrt oder das Osterreiten der Sorben. Flurumgänge, die zugleich Rechtsbrauch und religiöse Praxis zur Segnung der Fluren darstellten, hinterließen Spuren in der Kulturlandschaft – sowohl in ländlichen als auch in städtischen Räumen. Heute werden diese Zeugnisse vor allem von Vereinen und vielen freiwillig Engagierten erforscht, erhalten und in ihrer Bedeutung vermittelt.
Ein Bereich, der sich in der Gegenwart besonders stark wandelt, ist die Friedhofskultur, da sich Bestattungsformen, religiöse Bindungen, familiäre Strukturen und Flächennutzungsansprüche verändern und dadurch neue Gestaltungsformen, Erinnerungspraktiken und Nutzungskonzepte für Friedhöfe entstehen.
Praxisbeispiel:
Dr. Dirk Pörschmann, Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.
Es diskutieren:
Andrea Paulik, Sorbisches Museum (Input)
PD. Dr. Markus Hilpert, Universität Augsburg
Dr. Dirk Pörschmann, Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.
Dr. Daniela Sandner, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege
Jakobus Wilhelm OSB, Kloster Huysburg
Gregor Schaaf-Schuchardt, Via Sacra Oberlausitz e.V.
15:00 Uhr Abschluss des Kongresses
Dr. Herlind Gundelach, Bund Heimat und Umwelt in Deutschland
Dr. Rudolf Neumaier, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege
*angefragt
Veranstaltungsort
Landesvertretung des Freistaat Bayern beim Bund – Bayerische StaatskanzleiBehrenstraße 21/22
10117 Berlin
Deutschland
Koordinaten (Lat, Long):
52.515297, 13.38764
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