Podiumsgespräch "Der Nationalsozialismus im Familiengedächtnis"
Mi 10.6., 19:00 Uhr
Der Nationalsozialismus spielt in vielen deutschen Familiengeschichten bis heute eine Rolle. Besonders in den letzten Jahrzehnten haben sich Kinder und Enkel der Kriegs- und NS-Generation intensiver mit ihrer Herkunft beschäftigt. Dabei stoßen sie oft auf bislang verschwiegene Aspekte der Vergangenheit. In der Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg.“ Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945 zeigt das Kapitel „Unbekanntes Erbe“ beispielhaft, wie in Familien an die NS-Zeit erinnern, wie sie nach Spuren suchen und welche Geschichten dabei in Opfer- wie Täterfamilien sichtbar werden. Die Gesprächsrunde fragt danach, was innerhalb der Familien erzählt oder verschwiegen wurde. Sie thematisiert außerdem, wie Nachkommen verborgene Geschichten aufgedeckt haben und wie sie heute mit diesen Erkenntnissen leben. Mit Monique Behr, Jutta Ströter-Bender und Veronika Moos. Moderiert von Ann-Kathrin Rahlwes.
• Monique Behr, Leiterin Kunsthaus Wiesbaden und Referat Bildende Kunst m Kulturamt Wiesbaden. Mit Studierenden und einem Wissenschaftler der Goethe Universität Frankfurt kuratierte sie die Ausstellung „Emil Behr. Briefzeugenschaft vor - aus - nach Auschwitz“, die 2012 im Museum Judengasse des Jüdischen Museum gezeigt wurde und brachte eine Publikation heraus. Grundlage waren Briefe ihres Großvaters, die sie wenige Jahre zuvor in einer Kiste gefunden hatte und die ihr halfen, das Schicksal ihrer Familie im "Dritten Reich" nachzuvollziehen.
• Jutta Ströter-Bender, emeritierte Professorin für Kunst und ihre Didaktik an der Universität Paderborn und Mitgründerin des International Research and Archives Network for Historical Children's and Youth Drawings (IRAND). Erst vor wenigen Jahren erfuhr sie gemeinsam mit ihrem Mann, dass ihre Schwiegermutter in der NS-Zeit als „Halbjüdin“ galt. Ihr Schwiegervater, der am nationalsozialistischen Raketenprogramm beteiligt war, konnte sie 1940 mithilfe gefälschter Papiere heiraten.
• Veronika Moos, Leiterin des Malsaals am Staatstheater Wiesbaden. Aufgrund von Stolpersteinen, die sie 2019 vor dem Haus ihrer Großeltern in Wiesbaden entdeckte, begann ihre intensive Recherche über diese jüdischen Nachbarn, die den Holocaust nicht überlebten und über ihre eigene Familie. 2022 brachte sie das Buch „Nachbarn. Bahnhofstrasse 44/46“ heraus, in dem sie Briefe aus den Jahren 1939 - 1948 von beiden Familien gegenüberstellte.
• Moderation: Kathrin Schön ist Kuratorin, Moderatorin und Kulturmanagerin in Frankfurt. Nach Stationen am Goethe Institut Jerusalem und dem Jüdischen Museum Frankfurt, wo sie unter anderem die Leitung der Vermittlung und das App-Projekt "Unsichtbare Orte" verantwortete, leitet sie seit 2021 die Programmabteilung der Stiftung Forum Recht.
Veranstaltung: kostenfrei
Die Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg.“ Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945 kann vor der Veranstaltung gegen Museumseintritt besucht werden.