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Info
Wenn wir Menschen begegnen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, wirkt ihr Leid oft überwältigend. Die Begleitung kann uns mitunter selbst an die Grenzen der Handlungsfähigkeit bringen. Sie als Fachkräfte erleben eventuell auch im Alltag wachsende Erwartungen an fachliche Kompetenzen und Handlungssicherheit. Insbesondere sexualisierte Traumata überfluten nicht nur Betroffene, sondern können auch uns als Fachkräfte überfluten. Der Fachtag widmet sich daher den Spezifika von Traumatisierungen nach sexualisierter Gewalt sowie deren Antidoten.
Die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt – LiCHTUNG präsentiert neben einem Impulsreferat und Methoden zum Mitnehmen auch vier Workshops, welche sich dem Thema unterschiedlich, dabei praxisnah, nähern. Immer mit dem Ziel, dass wir Klient*innen nach erlebter Gewalt stabilisieren und dabei selbst stabil bleiben.
Der Fachtag richtet sich an alle Fachkräfte, die in ihrem Arbeitsfeld auch mit Betroffenen sexualisierter Gewalt, traumatisierte oder belasteten Menschen arbeiten – und die gemeinsam an einer reflektierten und traumasensiblen Praxis arbeiten möchten.
Kurzum: Arbeiten Sie mit Kindern und Jugendlichen, deren Eltern oder erwachsenden Schutzbefohlenen? Dann lohnt sich der Exkurs zum Fachtag!
Workshop 1:
„Imagination als ressourcenorientierter Zugang zur Stabilisierung“ (Marie-Theres Wollschläger)
Imagination ist ein uraltes menschliches Werkzeug – wir stellen uns ständig etwas vor, oft ohne es zu merken und verlassen somit ein bisschen das Hier und Jetzt – und betreten damit schon den Bereich der Imagination. Für Menschen, die traumatische Erfahrungen zwar überlebt, diese aber noch nicht verarbeiten konnten, kann diese Fähigkeit ein Schlüssel sein: sie kann helfen wieder Zugang zu guten, stärkenden Gefühlen zu bekommen.
Der Workshop eröffnet einen praxisnahen Einstieg in die ressourcenorientierte imaginative Arbeit, umfasst einen kompakten Input und eine ausgewählte Methode, die gemeinsam erlebt und reflektiert werden kann.
Workshop 2:
„Belastungen und destruktive Verhaltensweisen übersetzen und argumentieren“ (Daniela Rackow)
Jede Person, die sexualisierte Gewalt erlebt, schützt sich in eigener Weise und entwickelt dabei individuelle Bewältigungs- und Überlebensstrategien. Häufig erscheinen diese Botschaften und Strategien für Fachkräfte und Bezugspersonen irritierend, unverständlich oder gar enervierend. Die Signale werden somit vielleicht missinterpretiert, übersehen oder gar verdrängt.
Gemeinsam wollen wir im Workshop Äußerungen und Verhaltensweisen von Betroffenen in den Blick nehmen und „hinter die Kulisse“ schauen. Was können diese Signale bedeuten? Welcher Wunsch und welche Not verbergen sich dahinter? Und wie können wir als Fachkräfte unseren Klient*innen mit ihren Verhaltensweisen begegnen, so dass Sicherheit, Entlastung und Verarbeitung möglich werden?
Workshop 3:
„Selbstbehauptung und -verteidigung: Wendo als körperorientierte Stabilisierung und Aufarbeitungstechnik sexualisierter Traumatisierung“ (Mel Bondzio-Becker)
Wendo ist ein ganzheitlicher Ansatz der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung und hat sich als ein Konzept der geschlechtsbezogenen Gewaltprävention etabliert. Dabei werden insbesondere niedrigschwellige Strategien gegen alltägliche Grenzverletzungen vermittelt, um Selbstermächtigung und Wehrhaftigkeit zu stärken. Wendo kann zudem körperorientierte Stabilisierung und Aufarbeitung nach sexualisierter Traumatisierung ermöglichen. In diesem Workshop erhalten Sie einen Einblick in Wendo und erleben ausgewählte Übungen der Selbstbehauptung mit Fokus auf Wahrnehmung, Körpersprache und Stimme sowie traumasensibler Grenzsetzung, die Sie für Ihre Arbeit mit Betroffenen sexualisierter Gewalt anwenden können.
Wendo ist ein feministisches Konzept, welches in den Frauenbewegungen der 1970er Jahre entstanden ist und sich seitdem stetig weiterentwickelt. Wendo und konkret dieser Workshop richten sich ausschließlich an Frauen sowie trans*, inter*, nicht-binäre und agender Personen. Cis männliche Personen sind eingeladen, sich bei uns umfangreich über das Angebot zu informieren – auch um es Klient*innen zur Unterstützung weiterzuempfehlen.
Workshop 4:
„Breche ich damit alte Traumata auf? – Sorge Re-Traumatisierung nach sexualisierter Gewalt“ (Astrid Herrmann-Haase)
Fachkräfte, die mit Betroffenen sexualisierter Gewalt im Arbeitskontext zu tun haben, äußern häufig Sorge vor Re-Traumatisierungen ihrer Klient*innen. Externe Thematisierung der erlebten Gewalt, z.B. in Form von Fragen, führt beispielsweise zu einer aufbrechenden Belastung der Klient*innen. Die Sorge zeigt das wertschätzende Interesse an unseren Klient*innen. Nicht zuletzt präsentieren sich darin die hohe Reflexionsfähigkeit und Umsicht der Fachkräfte. In diesem Workshopangebot bewerten wir die tatsächlichen Gefahren von Re-Traumatisierung sowie deren „Verwandte“ die Viktimisierung. Wir befassen uns mit konkreten Möglichkeiten, um mit Souveränität stabilisierend für unsere Klient*innen zu arbeiten und Re-Traumatisierungen beizukommen.
Veranstaltungsort
Kulturhaus WeißenfelsGroßer Saal
Merseburger Str. 14
06667 Weißenfels
Deutschland
Koordinaten (Lat, Long):
51.205784, 11.966664
Karte anzeigenRoutenplanung
Hinweise
Parkmöglichkeiten befinden sich in der Merseburger Straße oder in den umliegenden Seitenstraßen.
Sie können auch den Parkplatz des Kulturhauses hinter dem Gebäude nutzen. Dieser ist über die Zufahrt Kubastraße erreichbar.