Rechtsextreme und menschenfeindliche Positionen treten zunehmend sichtbarer auf – auch im pädagogischen Alltag. Dabei spielt Queerfeindlichkeit neben Rassismus und Anti-Feminismus eine zentrale Rolle, um demokratische Werte & gesellschaftliche Vielfalt anzugreifen. Dabei reichen die Erscheinungsformen von subtilen Codes über strukturelle Diskriminierung bis hin zu offenem Hass.
Der Fachtag bietet pädagogischen Fachkräften den Raum, sich mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen und die Rolle von Queerfeindlichkeit in rechten Ideologien besser zu verstehen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, queerfeindliche Codes, Narrative und Strategien zu erkennen und einzuordnen.
Zugleich soll der Fachtag pädagogische Fachkräfte darin stärken, im pädagogischen Alltag sicherer mit diskriminierenden oder rechten Äußerungen umzugehen und Vielfalt aktiv zu schützen. Durch Austausch, fachliche Inputs und verschiedene Workshops werden Handlungsräume erweitert.
Der Fachtag bietet die Gelegenheit, bestehende Hilfs- und Unterstützungsnetzwerke zu stärken und auszubauen. Ziel ist es, Fachkräfte in ihrer demokratischen Haltung zu stärken und mehr Sicherheit im Umgang mit rechtsextremen und diskriminierenden Äußerungen zu gewinnen.
Veronika Kracher zeigt in einem Impulsvortrag sowohl historisch wie auch sozialpsychologisch auf, wie eng Rechtsextremismus und Queerfeindlichkeit zusammenhängen, und wie und warum rechte AkteurInnen immer wieder den Hass auf queere Menschen als Rekrutierungsmoment in ihre Bewegungen nutzen.
Queere Menschen, vor allem trans Personen, sind momentan das Feindbild Nummer eins im rechten Kulturkampf. Seien es queerfeindliche Gesetzgebungen in den USA, das gegen Drag Queens gerichtete, schwulenfeindliche "Groomer"-Klischees, Neonazi-Mobilmachung gegen CSDs oder die transfeindliche Propaganda rechter Akteur*innen: der Hass, dem queere Menschen ausgesetzt sind, befindet sich auf einem neuen Höhepunkt. Die Narrative sind jedoch nicht neu, sie dienen der Festigung des kapitalistischen Patriarchats und ähnlich wie Antifeminismus, regelmäßig als "Türöffner" in die Rechte. Dies ist auch darin verwurzelt, dass Queerfeindlichkeit, Antifeminismus, Antikommunismus und Antisemitismus historisch eng miteinander verwoben sind. Ihr gemeinsames Feindbild ist die - immer jüdisch codierte - Moderne. Rechte Akteure versuchen, anhand der Dämonisieren von queeren Menschen, die als übermächtige "LGBTQ-Lobby" imaginiert werden, ein Bedrohungsszenario gegen die bürgerliche, heteronormative Kleinfamilie und vor allem "unsere" Frauen und Kinder zu etablieren. Die Verteidigung erfolgt dann durch die aufrechten heterosexuellen und cisgeschlechtlichen Deutschen, die nicht nur ihre Familie, sondern immer auch ihr Vaterland und ihre Rasse verteidigen verteidigen sollen.
Für den Fachtag haben wir uns eine neue Möglichkeit für die vertiefenden Workshops überlegt, Es gibt entweder die Möglichkeit an einem 4-Stunden-Workshop oder an zwei 2-Stunden-Workshops teilzunehmen. Unten könnt ihr einen 4-Stunden-Workshop oder zwei 2-Stunden-Workshops auswählen.
Zwischen Glaube, Identität und Extremismus – Queerfeindlichkeit pädagogisch begegnen
Mohammed Shehata
Queerfeindliche Einstellungen entstehen nicht isoliert, sondern sind häufig eingebettet in Fragen von Identität, Zugehörigkeit, Männlichkeitsbildern und ideologischer Einflussnahme. Der Workshop beleuchtet diese Zusammenhänge aus der Perspektive eines muslimischen Theologen und Gefängnisimams, der seit vielen Jahren mit straffällig gewordenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeitet. Anhand von Praxiserfahrungen werden Dynamiken von Radikalisierung, religiöser Instrumentalisierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit eingeordnet. Gemeinsam wird erarbeitet, wie pädagogische Fachkräfte queerenfeindlichen Haltungen professionell begegnen, Gesprächsräume eröffnen und junge Menschen in ihrer demokratischen und vielfältigen Werteorientierung stärken können.
Betroffenenarbeit
ZEBRA - Zentrum für Betroffene rechter Angriffe
Welche Handlungsmöglichkeiten und Unterstützungsmöglichkeiten haben wir, wenn sich Kinder und Jugendliche als betroffene von Rechtsextremismus an uns wenden?
(ausführliche Workshopbeschreibung folgt)
Diskriminierungssensible Pädagogik
Melanie Stamer
In diesem Workshop wird anhand des Anti-Bias Ansatzes über Wertevorstellungen, Sozialisationen, Vorurteile und Diskriminierungen gesprochen.
Ziel des Workshops ist es alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, diese zu diskutieren und systemische Zusammenhänge aufzeigen zu können.
(ausführlichere Beschreibung folgt)
Müssen wir wirklich neutral agieren? Gibt es ein Neutralitätgebot?
Anna Wohlert
Dieser Workshop thematisiert das von rechten Seiten propagierte Neutralitätsgebot. Inwiefern müssen pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte neutral handeln, welche Weisungen haben wir durch die Gesetzgebungen und was bedeutet der Beutelsbacher Konsens für unsere Arbeit?
(ausführliche Beschreibung folgt)
Facts against Hate - Argumentationstraining gegen queerfeindliche Narrative
Jomi Holthusen - pro.familia
Queerfeindliche Äußerungen werden oft wie unumstößliche Tatsachen hervorhebracht, doch mit fundierten Fakten haben diese Behauptungen nichts zu tun. Fehlen uns als Pädagog*innen diese Fakten, kann das in unseren Argumentationen häufig zu Unsicherheiten führen. In diesem Workshop wollen wir gemeinsam trainieren, wie und was wir auf queerfeindliche Narrative erwidern können. Hierfür werden wir uns in diesem Workshop mit examplrischen Falschbehauptungen auseinandersetzen und Impulse erarbeiten, wie wir auf diese reagieren und sie entkräften können.
Wie bin ich ein guter Ally für queere Kinder- & Jugendliche?
Vielfals.sh
Wie wirkt sich unsere cis- und heteronormative Gesellschaft auf queere Kinder und Jugendliche aus? In diesem Workshop geben wir euch einen Überblick über queere Grundlagen und suchen gemeinsam nach Wegen und Möglichkeiten, um für queere Heranwachsende eine unterstützende und empowernde Umgebung zu schaffen.
Rechtsextremismus erkennen & begegnen
Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Flensburg
Dieser Workshop bietet einen Einstieg in das Thema Rechtsextremismus. Teilnehmende lernen zentrale Definitionen und aktuelle Diskurse kennen, erhalten einen Überblick über relevante Zeichen und Symbole und können anhand praxisnaher Fallbeispiele Handlungsmöglichkeiten im pädagogischen Alltag reflektieren. Ziel ist es, Sicherheit im Erkennen rechtsextremer Erscheinungsformen zu gewinnen und angemessen darauf reagieren zu können.