Info
Armutsgipfel 2026: Arbeit neu denken – Verteilungsgerechtigkeit herstellen
13:30 Uhr
Einlass + Ankommen
14:00 Uhr
Eröffnung des Armutsgipfels
Begrüßung durch die fünf Veranstaltenden
Keynote: Solidarische Politik: Schritte zu mehr Verteilungsgerechtigkeit in der Arbeitswelt
Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie mit den Schwerpunkten Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft, Georg-August-Universität Göttingen
Spätestens seit den jüngsten Wahlerfolgen der AfD ist die Forderung nach „gesellschaftlichem Zusammenhalt“ in aller Munde. Doch speziell in der Arbeitswelt zeigt sich immer deutlicher, dass eine Politik, die gegensätzliche Interessen sowie die Erfahrungen arbeitender Menschen ausblendet, zum Gegenteil führt: Zu einer immer ungerechter werdenden Verteilung von Ressourcen. Diskutiert wird in diesem Beitrag, wie die Verhandlungsposition von Beschäftigten gegenüber Unternehmen geschwächt wird – im Arbeitsprozess, in Bezug auf kollektive Regulierung sowie auf das Sozialeigentum von Lohnabhängigen – und wie demgegenüber eine solidarische Politik der Arbeit aussehen kann.
kleine Pause
5 parallele Arbeitsgruppen mit fachlichem Input und Diskussion
Forum 1: Mitarbeiterwohnungen: Wie Unternehmen beim Wohnen und gegen den Fachkräftemangel helfen können
Wer arbeitet, muss auch wohnen. Wollen Unternehmen für Mitarbeitende (noch) attraktiver werden, können sie eigenen Wohnungsbau betreiben. Wie Mietarbeiterwohnungen helfen können, Fachkräftemangel und Wohnungskrise zu begegnen, soll hier erarbeitet werden. Welche Herausforderungen Unternehmen, die Wohnungsbau betreiben wollen, bewältigen müssen und wie das soziale Mietrecht und das Mitarbeiterwohnen zusammenpassen, werden besondere Schwerpunkte sein.
(Impuls: Dr. Rolf Bosse, Mieterverein zu Hamburg)
Forum 2: Liefern, Servieren, Überleben: Armut trotz Erwerbsarbeit?
Essenszustellung, Service und Gastronomie gehören zu den Branchen, die unseren Alltag am Laufen halten. Gleichzeitig sind viele Beschäftigte hier von niedrigen Einkommen, unsicheren Arbeitszeiten und prekären Vertragsverhältnissen betroffen. In diesem Workshop werfen wir einen Blick auf die Entgeltstrukturen und Beschäftigungsformen in der Lieferbranche und Gastronomie und fragen, was am Monatsende tatsächlich übrigbleibt. Gemeinsam setzen wir Löhne, Arbeitszeiten und Vertragsmodelle in Beziehung zu den realen Kosten des Lebens, etwa für Miete, Energie, Lebensmittel und Mobilität. So diskutieren wir, warum Erwerbsarbeit nicht immer vor Armut schützt und welche strukturellen Ursachen hinter dem Phänomen der Erwerbsarmut stehen.
(Impuls: Anne Widder, Geschäftsführerin Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG Region Hamburg-Elmshorn)
Forum 3: Reformen für wen? Was die Sozialstaatspläne für Menschen mit wenig Geld bedeuten
Ob bei Rente, Pflege, Gesundheit, Wohnen oder bei Kindern und Jugendlichen: In nahezu allen Bereichen des Sozialstaats plant die Bundesregierung derzeit große Reformen oder setzt sie bereits um. Viele der Pläne sehen erhebliche Einschnitte auch für Menschen mit wenig Geld vor. Entsprechend sind negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Armut zu befürchten. Im Fachforum "Sozialstaatsreform" stellt Jonas Pieper vom Paritätischen Gesamtverband zunächst die sozialpolitischen Vorhaben der Bundesregierung vor. Anschließend werden wir gemeinsam diskutieren, wie sich diese Pläne auf die Entwicklung der Armut in Hamburg und auf die Arbeit von sozialen Trägern auswirken könnten - und mit welchen Vorschlägen wir uns in die politische Diskussion einbringen können.
(Impuls: Dr. Jonas Pieper, Leiter des politischen Verbindungsbüros beim PARITÄTISCHEN Gesamtverband)
Forum 4: Recht haben reicht nicht – Zugang zu sozialen Rechten in Hamburg
Soziale Rechte zu haben bedeutet nicht automatisch, sie auch durchsetzen zu können. Gerade Menschen in prekären Lebenslagen stoßen häufig auf Hürden, wenn sie Sozialleistungen beantragen oder ihre Ansprüche gegenüber Behörden geltend machen wollen. Die von Gwendolyn Stilling im Auftrag von Tacheles e. V. erstellte aktuelle Expertise „Recht haben? Reicht nicht.“ zeigt anhand von Widerspruchs- und Eilverfahren, wo Probleme bei der Durchsetzung sozialrechtlicher Ansprüche liegen. Im Workshop stellt Gwendolyn Stilling von GKS Consult zunächst zentrale Ergebnisse der Expertise vor. Anschließend wollen wir gemeinsam diskutieren, was diese Befunde für Hamburg bedeuten: Wo bestehen besondere Hürden beim Zugang zu sozialen Rechten? Welche Rolle spielt eine niedrigschwellige und gut ausgestattete Sozialberatung? Und was können Politik, Verwaltung und soziale Träger tun, damit bestehende Rechte die Menschen tatsächlich erreichen?
(Impuls: Gwendolyn Stilling, GKS Consult – Gesellschaft für Kommunikation und Soziales)
Forum 5: Ungleichheit macht arm – auch die Gesellschaft
Verteilungsungleichheit produziert nicht nur individuelle Verlierer, sondern kann auch gesellschaftliche und ökonomische Kosten erzeugen: weniger Zusammenhalt, mehr Unzufriedenheit, schwächere Binnennachfrage und geringere Motivation und Produktivität. Wer über Verteilungsgerechtigkeit spricht, spricht deshalb nicht nur über soziale Gerechtigkeit, sondern über die Funktionsbedingungen einer modernen Gesellschaft und Volkswirtschaft.
(Impuls: Prof. Dr. Arne Heise, Professor für Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg, Schwerpunkt Finanzwissenschaft und Public Governance)
Pause mit Besichtigung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen dazu Getränke und Imbiss
Podiums-Diskussion: Wie bekämpfen wir die Armut in Hamburg? Ein Strategiegespräch
Dr. Andreas Dressel, FHH, Senator für Finanzen und Bezirke
Kristin Alheit, Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg, Federführende Vorständin
Sönke Fock, Agentur für Arbeit Hamburg, Vorsitzender der Geschäftsführung
Michael Thomas Fröhlich, UV Nord, Hauptgeschäftsführer
Sandra Goldschmidt, ver.di Hamburg, Landesbezirksleiterin
Veranstaltende sind:
Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg e.V.
Deutscher Gewerkschaftsbund Hamburg (DGB Hamburg)
Diakonie Hamburg, Diakonisches Werk Hamburg
Mieterverein zu Hamburg von 1890 r. V.
Sozialverband Deutschland SoVD-Landesverband Hamburg e.V.