Regeln und Brüche
Über Normen, Tabus und kreative Überschreitung
Die neue Ringvorlesung des studium universale der Universität Leipzig im WiSe 2026
Mittwochs, 19 Uhr im Hörsaal 2 im Hörsaalgebäude (Campus Augustusplatz)
Ausnahme: Die Veranstaltung mit Judith Schalansky und Andreas Platthaus findet am Donnerstag, den 21.01.2027, im Großen Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek am Deutschen Platz 1 statt.
Liebe Interessierte,
Die Ringvorlesung des studium universale der Universität Leipzig widmet sich im Wintersemester 2026/27 einer Grundfrage des menschlichen Zusammenlebens. Unter dem Titel „Regeln und Brüche“ laden wir dazu ein, darüber nachzudenken, wo und weshalb Normen und Tabus als selbstverständlich hingenommen werden, und wir wollen ihre Herkunft, ihren Sinn und ihre Grenzen hinterfragen. Auf dem Programm stehen elf Veranstaltungen. Es sprechen Fachleute aus Philosophie, Geschichts-, Politik- und Kommunikationswissenschaft, Informatik, Medizinethik, Stadtplanung, Bildung, Theater und Literatur. Die Ringvorlesung richtet sich an alle am Thema Interessierten. Beteiligt sind Expert:innen der Universität Leipzig, der HTWK Leipzig, des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), des Landesamtes für Schule und Bildung (LaSuB) sowie der Deutschen Nationalbibliothek (DNB).
Zum Auftakt hält PD Dr. Robert Feustel von der Universität Leipzig den Vortrag „Der verbotene Rausch. Wie Drogen zum Problem wurden“. Prof. Dr. Patrick Donges von der Universität Leipzig fragt beispielsweise, wie Digitalisierung und soziale Medien die „Grenzen des Sagbaren“ verschoben haben. Prof. Dr. Jörn Hoffmann von der HTWK Leipzig demonstriert live, wie Hacker denken und warum sichere IT-Systeme ohne die Perspektive des Angreifers nicht zu haben sind. Prof. Dr. Matthé Scholten von der Universität Leipzig beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Zwang in der Psychiatrie.
Grundsätzlich wird es bei Prof. Dr. Sebastian Rödl. Der Philosophieprofessor der Universität Leipzig fragt in seinem Vortrag „Die Mediokrität der Normen“, was es eigentlich heißt, dass eine Norm für uns gilt. Prof. Dr. Andreas Zaby von SPRIND widmet sich dem produktiven Regelbruch und fragt, ob „Disruption Made in Germany“ möglich ist. Prof. Dr. Maren Röger und Alexander Weidle vom GWZO zeigen, wie unterschiedlich die Bundesrepublik und die DDR mit „Flucht und Vertreibung“ umgingen: Im Westen war das Gedenken geregelt, im Osten das Schweigen verordnet. Anastasia Wendt und Ingolf Thiele vom LaSuB fragen in „Die Neutralitätslüge“, wo die Grenzen politischer Bildung an Schulen liegen. Zum Abschluss spricht Stadtplaner Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup über kreative Regelüberschreitungen in der Stadtentwicklung – von Hausbesetzungen bis zum Guerilla-Urbanismus.
Zu den Höhepunkten der Reihe zählt der Abend „Wunde Stadt. Der Terrorakt von Magdeburg im Theater“. Clara Weyde, Clemens Leander und Bastian Lomsché leiten derzeit das Theater Magdeburg und übernehmen ab der Spielzeit 2027/2028 die Intendanz des Schauspiels Leipzig. Sie berichten, was geschieht, wenn Theater einen Terrorakt und dessen Folgen für die Stadtgesellschaft aufgreift. Ist das Tabubruch, kollektive Traumatherapie oder künstlerische Verarbeitung? Ein literarischer Höhepunkt ist das Gespräch „Tropen und Tabu“. Darin unterhalten sich die Schriftstellerin und Buchgestalterin Judith Schalansky und Andreas Platthaus, Leiter des Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, über die Weisheit wilden Wissens.
Bis auf die Veranstaltung mit Judith Schalansky und Andreas Platthaus, die im Großen Lesesaal der DNB stattfindet, finden alle Veranstaltungen mittwochs um 19:00 Uhr im Hörsaal 2 des Hörsaalgebäudes am Campus Augustusplatz statt und sind für alle Interessierten kostenlos.
Ihr
Frank Gaunitz