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Fachtag "Zwischen Radikalisierung und Distanzierung: Psychotherapie und Beratung in der Extremismusprävention", KN:IX connect, IFAK e.V.
Psychische Belastungen, traumatische Erfahrungen, biografische Krisen und Radikalisierungsprozesse können in der Praxis der Extremismusprävention eng miteinander verwoben sein. Fachkräfte aus Beratung, Psychotherapie, Jugendhilfe und Präventionsarbeit stehen dabei häufig vor komplexen Fragen: Wo verlaufen die Grenzen zwischen pädagogischer Beratung, psychotherapeutischer Unterstützung und sicherheitsrelevanter Einschätzung? Wie kann Zusammenarbeit gelingen, ohne Zuständigkeiten zu vermischen? Und wie lässt sich über psychische Gesundheit sprechen, ohne Radikalisierung zu psychologisieren oder politische Ideologien zu verharmlosen?
Der Fachtag „Zwischen Radikalisierung und Distanzierung: Psychotherapie und Beratung in der Extremismusprävention“ bringt Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis und Beratung zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Herausforderungen an der Schnittstelle von Extremismusprävention, psychosozialer Unterstützung und Psychotherapie.
Tagungsort: Q1-Eins im Quartier - Haus für Kultur, Religion und Soziales/ Halbachstraße1, 44793 Bochum
Termin: Dienstag, 17.11.2026
Anmeldefrist: 04.11.2026
Hier können Sie den Flyer mit allen Informationen als PDF herunterladen.
Programm
09:00 Uhr – Ankommen mit Kaffee
09:30 Uhr – Begrüßung durch Friedericke Müller
09:45 Uhr – Erste Keynote: Prof. Dr. Jan İlhan Kizilhan
"Trauma, Kultur und Radikalisierung: Psychotherapeutische Perspektiven auf die Extremismusprävention"
10:30 Uhr – Zweite Keynote: Susanne Wittmann und Dr. Vera Dittmar
"Scham und Menschenwürde in der Extremismusprävention – Systemische Perspektiven auf Distanzierung und Ausstieg"
11:00 Uhr – Diskussion mit dem Publikum
11:15 Uhr – Kaffeepause
11:30 Uhr – Workshops
- Nina Jacobs: "Vom Trauma zur Radikalisierung – und zurück: Psychologische Dynamiken und Handlungsansätze"
- Dr. Anja Joest: "Zwischen Selbstbestimmung und Unterordnung: Attraktivitätsmomente islamistischer Angebote im Kontext weiblicher Adoleszenz"
- Alexander Gesing, Sofia Irhzar und Mohammad Mustafa: "Radikalisierungund psychische Gesundheit im Rahmen von Desillusionserfahrungen und Flucht"
- Dr. Michaela Baumann und Kristina Köhler: "Mein Tanzbereich – Dein Tanzbereich: Multiprofessionelle Zusammenarbeit an der Schnittstelle zwischen Distanzierungsberatung und Psychotherapie"
13:00 Uhr – Mittagspause inklusive Verpflegung
14:00 Uhr – Interview mit den Workshop-Leitenden, moderiert von Sebastian Hammer
14:30 Uhr – World-Café
- Dr. Piotr Suder: "Psychisch belastet, digital erreichbar? SocialMedia und Radikalisierung"
- Dr. Michaela Baumann: "Religion professionell begegnen im Kontext von Beratung und Therapie"
- Dr. Anja Joest: "Transkulturelle Aspekte von Therapieablehnung"
- Stefan Vieres: "Psychische Gesundheitund Extremismus: Relevante Störungsbilder in derPräventionsarbeit"
15.40 Uhr – Abschlussrede mit Dr. Piotr Suder und Daniela Linka
16:00 Uhr – Verabschiedung
Workshops
Bei der Anmeldung werden Sie gebeten, sich für einen Workshop anzumelden. Für Ihre Entscheidung finden Sie im Folgenden die Workshop-Beschreibungen:
Workshop 1: "Vom Trauma zur Radikalisierung – und zurück: Psychologische Dynamiken und Handlungsansätze"
Wie hängen unbewältigte Traumata und islamistische Radikalisierung zusammen – und wie gelingt der Weg zurück? Dieser interaktive Workshop bietet Fachkräften Raum für fachlichen Input und intensiven Austausch. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Arbeit an einem realitätsnahen Fallbeispiel, um praxisnahe pädagogische Handlungsansätze zu entwickeln.
Referentin: Nina Jacobs
Workshop 2: "Zwischen Selbstbestimmung und Unterordnung: Attraktivitätsmomente islamistischer Angebote im Kontext weiblicher Adoleszenz."
Warum erscheinen islamistische Angebote für manche junge Frauen attraktiv? Der Workshop geht dieser Frage anhand aktueller Erkenntnisse aus Forschung und Praxis nach. Im Mittelpunkt steht die These, dass die Attraktivität islamistischer Angebote nicht allein aus individuellen Faktoren erklärt werden kann, sondern dort entsteht, wo die Entwicklungsaufgaben der weiblichen Adoleszenz auf gesellschaftliche Spannungsfelder und islamistische Rollen- und Identitätsangebote treffen.
Gemeinsam werden unterschiedliche Attraktivitätsmomente analysiert und in den Kontext weiblicher Identitätsentwicklung, gesellschaftlicher Erwartungen sowie islamistischer Ansprachestrategien eingeordnet. Dabei wird auch der Vielfalt islamistischer Rollenangebote nachgegangen und diskutiert, welche Konsequenzen sich daraus für Prävention, Beratung und pädagogisches Handeln ableiten lassen.
Der Workshop verbindet fachlichen Input mit interaktiven Arbeitsphasen und lädt die Teilnehmenden ein, die zentrale These gemeinsam zu prüfen und für die eigene Praxis nutzbar zu machen.
Referentin: Dr. Anja Joest
Workshop 4: "Mein Tanzbereich-Dein Tanzbereich: Multiprofessionelle Zusammenarbeit an der Schnittstelle zwischen Distanzierungsberatung und Psychotherapie"
Wie kann eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Klient*innen, Berater*innen und den Gesundheits- und Heilberufen gelingen?
Im Workshop werden die Basics erfolgreicher multiprofessioneller Zusammenarbeit vorgestellt. Danach wird es praktisch: Die Teilnehmenden erproben in Form eines „Elevator Pitchs“ die Kontaktaufnahme zwischen Distanzierungsberatung und Psychotherapie aus, erkennen Fallstricke und Möglichkeiten und reflektieren ihre eigene Rolle innerhalb dieser Dynamik. Der Workshop soll Fachkräfte ermutigen, die multiprofessionelle Zusammenarbeit bewusst zu gestalten, um Betroffenen eine ganzheitliche Unterstützung zu ermöglichen.
Referentinnen: Dr. Michaela Baumann, Kristina Köhler
