Info

24. September 2026: Internationales Recruiting gerecht gestalten: Verantwortung und Praxis für Einrichtungen

10:00-11:30 Uhr

Faire Anwerbung beginnt lange vor der ersten Kontaktaufnahme. Arbeitgeber stehen heute vor der Aufgabe, internationale Fachkräfte nicht nur zu gewinnen, sondern von Beginn an ein Umfeld zu schaffen, das auf Transparenz, Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt basiert. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist dabei die notwendige fachliche Grundlage für eine erfolgreiche und langfristige Perspektive des Verbleibs am Arbeits- und Wohnort.

Während das sogenannte Prinzip („Employer Pays“), nach dem der Arbeitgeber die Kosten trägt, durch die beiden Internationale Arbeitsorganisationen (ILO undIOM) bereits als weltweiter Maßstab etabliert ist, befindet sich Deutschland noch in der aktiven Ausgestaltung bewährter Verfahren.

Ein zentraler Aspekt dieser Entwicklung ist die Analyse bestehender Standards und Verfahren der internationalen Personalgewinnung. Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung formaler Kriterien, sondern auch um eine weltweite Perspektive, die ethische Verantwortung einschließt.

Neben dem Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Vermeidung der Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte (oft als „Brain Drain“ bezeichnet) rückt zunehmend das Konzept des „Brain Gain“, also des Wissens- und Kompetenzgewinns, in den Fokus. Es gilt zu untersuchen, wie Herkunftsländer von Migration profitieren können und wie eine positive, zukunftsorientierte Migrationskultur gefördert wird, die berufliche Mobilität als bewusste Entwicklungschance versteht. Gerade in Bereichen wie der Pflege sind Qualifikationen weltweit einsetzbar, was Fachkräften aus Staaten außerhalb der Europäischen Union neue Entwicklungsperspektiven eröffnet.

Der Erfolg einer Personalgewinnung entscheidet sich jedoch oft erst nach der Ankunft: beim Übergang von der Einarbeitung zur langfristigen Bleibeperspektive. Es stellt sich die zentrale Frage, wann sich eine Fachkraft tatsächlich für einen dauerhaften Verbleib entscheidet und wie stark die ersten Tage im Betrieb diese Entscheidung beeinflussen.

Fairness muss sich daher über den gesamten Prozess erstrecken – von der ersten Ansprache über eine angemessene tarifliche Eingruppierung bis hin zur sozialen Integration. Diese Online-Veranstaltung bietet Raum, das Zusammenspiel zwischen den Erwartungen der Fachkräfte, den Anforderungen der Einrichtungen und der Rolle der bestehenden Belegschaft zu reflektieren, um die eigene Praxis der Personalgewinnung fair und zukunftsfähig zu gestalten.

Referent*innen: 
Nadja Akel: Diakonisches Werk Württemberg, Fachstelle Antidiskriminierung und Migration 

Cyriac Panackal: Consultant Unternehmensservices und Fachkräfteberatung Welcome Service Region Stuttgart Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH 

Zur Anmeldung »