Info
Der KI-Fachtag 2026 widmet sich aktuellen und zukünftigen Einsatzszenarien von Künstlicher Intelligenz in wissenschaftlichen Bibliotheken. Neben Impulsvorträgen erwarten Sie praxisnahe Workshops sowie ein interaktives Austauschformat zur hessenweiten Zusammenarbeit im Bereich KI.
Der Fachtag wird organisiert vom Deutschen Bibliotheksverband (Landesverband Hessen) sowie vom Regionalverband Hessen im VDB (Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare). Die Teilnahme ist kostenlos.
Wann? Montag, 16.03.2026 von 09:30 bis 16:00 Uhr
Wo? Goethe-Universität Frankfurt am Main, Seminarhaus Campus Westend, Raum SH 0.109 (Max-Horkheimer-Str. 4, 60629 Frankfurt am Main)
Programm
09:30 - 10:00 | Begrüßung Grußwort des Präsidiums der Goethe-Universität Ulrich Schielein (Chief Information Officer und Vizepräsident der GU) |
10:00 - 10:30 | Key-Note KI und Studium (Arbeitstitel) Jörg von Garrel (Hochschule Darmstadt) ​KI-basierte Tools sind in Studium und Lehre in sehr kurzer Zeit vom Experiment zum Alltagstool geworden. Die Keynote präsentiert Ergebnisse aus zwei deutschlandweiten quantitativen Erhebungen und zeigt, wie verbreitet KI-basierte Tools unter Studierenden sind, wofür sie eingesetzt werden und wie sich Nutzungsmuster zwischen 2023 und 2025 verändert haben. Ergänzend werden Befunde zur Nutzung durch Lehrende eingeordnet. Die Ergebnisse machen deutlich, dass KI-basierte Tools gekommen sind, um zu bleiben – und dass sich daraus ein dauerhafter Anpassungsbedarf für Hochschulen ergibt. Abschließend werden zentrale Implikationen für Studium und Lehre skizziert, insbesondere im Hinblick auf Kompetenzanforderungen, transparente Nutzungspraktiken sowie die Weiterentwicklung von Lehr- und Prüfungsformaten. |
10:30 - 11:00 | Kaffeepause |
11:00 - 11:30 | Key-Note LibraryAI: Wie Göttingen die wissenschaftliche Bibliothek mit KI neu denken kann Jan Philip Wahle (SUB Göttingen) ​Die digitale Transformation wissenschaftlicher Bibliotheken ist ein wesentlicher Aspekt der fortschreitenden Digitalisierung. Large Language Models (LLMs) versprechen eine Revolution im Zugang zu wissenschaftlicher Information. Das DFG-Projekt aus Göttingen namens “LibraryAI” hat das Ziel, einen virtuellen Forschungsassistenten zu entwickeln und zu erproben, der die Erschließung, den Zugang und die effektive Nutzung wissenschaftlicher Ressourcen verbessert. Forschende aller Disziplinen erhalten über eine interaktive Dialogschnittstelle neue Möglichkeiten zum Informationsabruf, präzisere Antworten, Zusammenfassungen, Übersetzungen und Unterstützung bei der Entdeckung neuer Erkenntnisse in der Literatur. Um die inhärenten Schwächen von LLMs wie Halluzinationen und statisches Wissen zu überwinden, wird LibraryAI auf Methoden der Retrieval-Augmented-Generation gestützt. Das System verbindet das Basis-LLM mit dem Bibliothekskatalog (z.B. Lukida), digitalen Repositorien und den Service-APIs der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB). Diese Architektur stellt sicher, dass Antworten aktuell, kontextrelevant und durch Quellenlinks nachvollziehbar und belegbar sind. In der Kooperation der SUB Göttingen, der Georg-August-Universität Göttingen und des wissenschaftlichen Rechenzentrums Göttingens (GWDG) wird ein zunächst experimentelles System entwickelt, das langfristig als offener und einheitlicher Zugangspunkt zur gesamten Wissensbasis der Bibliothek dienen soll. |
11:30 - 12:00 | Key-Note Herausforderungen durch KI für Bibliotheken hinsichtlich Paper Mills und Predatory Practices (Arbeitstitel) Jasmin Schmitz (ZB MED) Predatory Practices im wissenschaftlichen Publikationswesen, wie die Einnahme von Publikationsgebühren ohne verlegerische Leistung und insbesondere Verzicht auf die Qualitätssicherung wissenschaftlicher Inhalte mittels Peer Review, sind schon länger bekannt, erfahren aber eine ständige Anpassung und Ausweitung. Mit generativer KI eröffnen sich nun neue Möglichkeiten für Akteure mit betrügerischen Absichten. Ähnliches gilt für Paper Mills, die Inhalte ohne wissenschaftlichen Wert bei Zeitschriften einreichen und Forschenden zum Kauf anbieten. Hierbei wird nicht nur der Publikationsprozess manipuliert, sondern mittels generativer KI werden nun auch Manuskripte in „Massenproduktion" hergestellt, die den State-of-the-Art „vermüllen". Der Vortrag gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen. Diese Praktiken stellen sowohl Forschende als auch Bibliotheken, die forschungsunterstützende Services anbieten, vor besondere Herausforderungen, die ebenfalls diskutiert werden sollen.​ |
12:00 - 13:00 | Mittagspause |
13:00 - 14:30 | Workshops (parallel) Bitte wählen Sie bei der Anmeldung einen der Workshops. |
| Fake Science – Die Wahrheit als flexibles Gut Viktor Boecking (UB Mannheim) Wissenschaftliche Integrität ist essenziell für das Vertrauen der Gesellschaft in Forschungsergebnisse und damit für die Glaubwürdigkeit des gesamten wissenschaftlichen Systems. Umso mehr erschüttern prominente Wissenschaftsskandale sowie die zunehmende kommerzielle Wissenschaftsfälschung die akademische Welt in ihren Grundfesten. Studierende und Wissenschaftler*innen stehen immer häufiger vor der Herausforderung, manipulierte Daten und fragwürdige Veröffentlichungen zu erkennen, Informationsquellen zutreffend zu bewerten und in Zeiten KI-gestützter Literaturrecherche verfälschte Zitationen zu überprüfen. Die Teilnehmenden erhalten einen kurzen Überblick über die vielfältigen Herausforderungen und Perspektiven, die Fake Science für verschiedene Zielgruppen im Wissenschaftssystem mit sich bringt. Im anschließenden Workshop betrachten wir gemeinsam verschiedene Methoden zur Erkennung von Fake Science und diskutieren Ansätze zur Unterstützung von Wissenschaftler*innen und Studierenden.
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| RVK und Annif lernen sich kennen. Einsteigerworkshop zur KI-unterstützen Inhaltserschließung ​Anna-Maria Hünnes und Franziska Voß (UB Frankfurt) Der Workshop basiert auf den Ergebnissen des Hands-on-Projekts „Automatisierte Inhaltserschließung mit Annif für die RVK-Vergabe in der Hessischen Bibliographie“, das im Sommer 2025 an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg im Bereich Sacherschließung und Bibliographien durchgeführt wurde. Bei Annif handelt es sich um ein Werkzeug zur automatisierten Indexierung und Klassifizierung (https://annif.org/ ). Ziel des Workshops ist es, einen praxisnahen Einblick in die Möglichkeiten von Annif zur automatisierten Inhaltserschließung zu geben, insbesondere in Bezug auf die Vergabe von Notationen der Regensburger Verbundklassifikation (RVK). Ein zentraler Bestandteil ist eine Hands-on-Session, in der die Evaluierung von Trainingsdaten diskutiert und Annif-Skripte unter verschiedenen Parametern getestet werden. Der Workshop bietet zudem die Gelegenheit, sich über den praktischen Einsatz maschineller Erschließungsverfahren auszutauschen. Der Workshop richtet sich an technische Einsteiger, d.h. Grundkenntnisse in klassifikatorischer und verbaler Inhaltserschließung werden vorausgesetzt, Grundkenntnisse zum Thema Machine Learning bzw. im Umgang mit der Kommandozeile unter Unix/Linux bzw. Jupyter Notebook sind hingegen nicht erforderlich (aber von Vorteil). Teilnehmende sollten für die praxisorientierten Übungen einen eigenen Rechner mitbringen.
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| KI als Team-Mitglied. Konzepte, Methoden, Einsatzbereiche und Grenzen Peter Bauer (Forum Agile Verwaltung) KI entwickelt sich rasant – und wird zunehmend nicht nur als Werkzeug, sondern als aktiver Bestandteil von Arbeitsprozessen verstanden. Der Gedanke von „KI als Teammitglied" geht dabei über die bekannte persönliche Nutzung von ChatGPT und ähnlichen KI-Anwendungen hinaus. In diesem Workshop erschließen wir gemeinsam, wie sich die Zusammenarbeit mit KI im Team sinnvoll gestalten lässt. Wir betrachten typische Anwendungsfälle – insbesondere im Kontext öffentlicher Einrichtungen und Wissensorganisationen – und diskutieren, welche KI-Werkzeuge dafür geeignet sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Qualität, Verantwortung und Rechtssicherheit: Wie verlässlich sind KI-Ergebnisse? Wie lassen sie sich prüfen? Und was bedeutet die EU-KI-Verordnung konkret für die praktische Arbeit? Der Workshop verbindet kurze Inputs mit Beispielen, Diskussionen und interaktiven Übungen. Ein besonderes Element ist die Prompt-Werkstatt, in der gemeinsam entwickelte Prompts live getestet und reflektiert werden. Raum für Fragen, Austausch und kritische Diskussion ist ausdrücklich vorgesehen. |
| ​​​​​ Workshop zur KI-basierten Texterkennung mit Transkribus Dario Kampkaspar (ULB Darmstadt) Transkribus ist ein KI-basiertes, community-getragenes Tool zur Layout- und Texterkennung in Texten – von alten Handschriften bis hin zu modernen Drucken. Dieser Workshop wird die Erfahrungen an der ULB Darmstadt und dabei Tipps aus so verschiedenen Projekten wie dem Darmstädter Tagblatt (200 Jahre Zeitung, von 8° einspaltig in Fraktur hin zu modernem Zeitungsformat, mehrspaltig, mit Überschriften in Fraktur und Text in Antiqua), der OAT-Konversion von Bänden der ehem. wbg (überwiegend moderne wissenschaftliche Monographien) und dem Thesaurus Picturarum (37 Bde. Handschrift 16. Jh.) teilen. ​Praktische Demonstrationen werden diese Tipps für alle Teilnehmer*innen nachvollziehbar machen, eine Frage-Runde wird versuchen, auf die spezifischen Fragen und Probleme der Einrichtungen einzugehen.
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14:45 - 15:45 | Austauschformat zur Zusammenarbeit zum Thema KI in hessischen Bibliotheken |
15:45 - 16:00 | Wrap-Up und Verabschiedung |
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