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Fachtag digitale Jugendbeteiligung

Der Einsatz digitaler Beteiligungstools und -methoden hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und gehört spätestens seit der Coronapandemie zum Alltag vieler Akteur_innen der Jugendarbeit und der politischen Bildung. Nach ersten euphorischen Hoffnungen, dank digitaler Tools „alle“ Jugendlichen zu erreichen und einzubeziehen sowie besonders ansprechende Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, folgte bei den meisten allerdings Ernüchterung. Eines jedoch ist klar: Digitale Bestandteile von Jugendbeteiligungsprozessen sind nicht mehr wegzudenken. Deshalb soll ein Fachtag das Thema digitale Jugendbeteiligung jenseits von Tool-Werkstätten sowie Pro- und Contra-Debatten vertiefen und neue Perspektiven ermöglichen.

Die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung bietet in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesjugendamt und der HAWK Hildesheim nun im Rahmen eines Fachtags die Möglichkeit, sich mit spezifischen Aspekten digitaler Jugendbeteiligung zu befassen: Wie kann digitale Beteiligung zielgruppenspezifisch gedacht werden, z. B. für Mädchen* oder Jugendliche mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung? Woran scheitern Beteiligungsprojekte häufig, auch wenn sie jugendtypische Kanäle wie Instagram einbeziehen? Woran können wir arbeiten, um wirksame, diversitätssensible und begeisternde Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen zu schaffen? Und wie lassen sich digitale Tools und Methoden sinnvoll einsetzen, sodass sie nicht zum reinen Selbstweck verkommen?

Diese und weitere Fragen werden im Rahmen des Fachtags von Expert_innen aus Praxis und Wissenschaft diskutiert. Fachkräfte aus Jugendarbeit, politischer Bildung, Verwaltung, Vereinen, Verbänden und angrenzenden Bereichen aus ganz Niedersachsen sind eingeladen, gemeinsam mit Jugendlichen die genannten Themen zu bearbeiten. Für Jugendliche stehen 25 Plätze zur Verfügung, die entweder direkt oder als Begleitung einer Fachkraft gebucht werden können.

Der Fachtag wird im Rahmen der „Pilotregion digitale Jugendbeteiligung“ im Landkreis Hildesheim ausgerichtet und zielt darauf ab, Fachkräften aus ganz Niedersachsen die Erfahrungen aus der Region zugänglich zu machen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Im Rahmen eines Austauschforums besteht zudem die Möglichkeit, eigene Angebote zu präsentieren. Die Plätze hierfür sind allerdings begrenzt. Bitte teilen Sie uns daher im Rahmen Ihrer Anmeldung mit, ob Sie einen Info-Tisch anbieten oder Material auslegen möchten.


Update (12.09.2023): Anmeldeschluss ist der 27.09.2023; sollten alle Plätze vorher vergeben sein, wird eine Warteliste eingreichtet.

Update (19.09.2023): Alle Info-Stand-Plätze sind vergeben.


Das Programm

Stand: 22.09.2023 (wird laufend aktualisiert)

Gesamtmoderation: Dr.in Christine Kolbe

Awareness-Team: All Around Awareness*

Ab 9 Uhr

Ankommen, Check-in, Austausch & Kaffee

Möglichkeit, verschiedene Info-Stände zu besuchen

10 Uhr

Begrüßung und Einstieg in das Thema mit

  • Ulrika Engler (Direktorin der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung),
  • Hanna Naber (Präsidentin des Niedersächsischen Landtages, Schirmherrin der „Pilotregion digitale Jugendbeteiligung“),
  • Tania-Aletta Schmidt (Niedersächsisches Landesjugendamt),
  • Prof.in Corinna Ehlers (HAWK Hildesheim)

10:30 Uhr

Inputs und Austausch

Input 1: „Wer weiß, auf was für Ideen die kommen“ – Herausforderungen einer Kultur der Digitalität für Jugendbeteiligungsfragen von Prof.in Cathleen Grunert

Input 2: „Digitale Jugendbeteiligung geschlechtersensibel denken“ von Dr.in Anna Grebe

11:30 Uhr

Vorstellung der Pilotregionen „Grundlagen digitaler Jugendbeteiligung bei der LpB“ von Catarina Gombe (LpB)

12:00 Uhr

Austauschforum und Mittagessen (vegetarisch/vegan)

13:00 Uhr bis 14:45 Uhr

Workshops – Beschreibungen siehe unten

14:45 Uhr

Rückkehr ins Plenum

15:00 Uhr bis 16 Uhr

Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Jugendbeteiligung für alle – was nehmen wir mit?“ mit

  • Simone Sommerfeld (Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung Niedersachsen)
  • Christoph Truthe (HAWK Hildesheim)
  • Dr.in Anna Grebe (Expertin)
  • Tugba Uysal (Generation Postmigration)
  • Vertreter_in der Kinder- und Jugendkommission

Abschluss

Impulsvorträge

„Wer weiß, auf was für Ideen die kommen“ – Herausforderungen einer Kultur der Digitalität für Jugendbeteiligungsfragen

Von Prof.in Dr.in Cathleen Grunert

Der Vortrag nähert sich auf der Basis empirischer Befunde aus einer Interviewstudie unter anderem mit Bürgermeister_innen ländlicher Gemeinden der Frage, welche Perspektiven auf Jugendbeteiligung generell sowie im Kontext digitaler Formate deutlich werden, und wirft auch einen Blick auf unterschiedliche digital vermittelte Partizipations- und Engagementpraktiken der Jugendlichen selbst. Beides wird vor dem Hintergrund der Fragen diskutiert, wie Digitalisierungsprozesse das gesellschaftliche Leben grundlegend transformieren und welche Herausforderungen sich darüber für die Herstellung von Möglichkeitsräumen für Partizipation und Engagement im Jugendalter stellen.


„Digitale Jugendbeteiligung geschlechtersensibel denken“

Von Dr.in Anna Grebe

Die Praxis der Jugendbeteiligung zeigt: Mädchen* beteiligen sich anders als Jungen* – und die Gründe dafür sind vielfältig. Gleichsam konstatiert die Mediennutzungsforschung, dass Mädchen* und Jungen* digitale Medien unterschiedlich nutzen. Wenn nun also Tools und Methoden der digitalen Jugendbeteiligung auf allen politischen Ebenen im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention alle Kinder und Jugendlichen ansprechen und einschließen sollen, dann müssen diese Erkenntnisse zusammengedacht werden – und das nimmt sich dieser Vortrag anhand von praktischen Beispielen vor.


Workshops

1) Was machen wir, wenn sie dann doch rosa Parkbänke haben wollen?

Mit Björn von Lindeiner und Maik Rauschke

Jetzt haben wir endlich Instagram und ein Jugendparlament, aber sie machen immer noch nicht mit. Und wenn wir dann mal Ergebnisse bekommen, sagt irgendwer immer: „Das kann man so nicht machen“ oder: „Da müssen wir noch mal drüber reden“.

Digitale Beteiligung im Jugendtreff? Warum kriegen Rezo und LFDW das hin, aber wir nicht? Warum machen die bei FFF mit, aber nicht im Jugendtreff? (Spoiler: Es liegt nicht an den coolen Namen oder Abkürzungen …)

 Wir wollen mit Euch über Haltung, Deutungshoheiten und Hürden einer gelingenden Partizipation mit digitalen Medien in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit diskutieren. Offen und kritisch, vor allem aber lösungsorientiert. Im Idealfall kriegen wir es hin, zwei, drei Forderungen für Politik und Verwaltung zu formulieren.



2) Jugendparlamente digital gedacht/gemacht

Mit Julia Appeldorn, Mechtild Möller, Julia Paulsen und Lena Stelling

Der Workshop geht der Frage nach, welche Aspekte der Arbeit von (oder mit) Kinder- und Jugendparlamenten digital umgesetzt werden können (bzw. umgesetzt werden). Gemeinsam diskutieren wir Chancen und Herausforderungen digitaler Beteiligungsmöglichkeiten und wie wir damit bestmöglich umgehen können. Dabei nehmen wir beispielhaft Bezug auf den Wahlprozess des Jugendparlaments des Landkreises Hildesheim.


3) Von der Idee zur Aktion: Jugendliche als Initiator_innen politischer Veränderung!

Mit David Salim

Der Workshop lädt dazu ein, die beeindruckende Kraft junger Stimmen zu entdecken und herauszufinden, wie Jugendliche mit Migrationsgeschichte zu kreativen Initiator_innen politischer Veränderung werden können. Die Leitfrage des Workshops lautet: „Wie können junge Menschen außerschulische und regionale Partizipationsanlässe initiieren, die lokale Politik nachhaltig beeinflussen und konkrete Veränderungen anstoßen?“ Dafür möchten wir gemeinsam mit Euch die „Take Your Space“-App erkunden, die im Rahmen einer Förderung zur Stärkung der Jugendbeteiligung des BMFSFJ von MyGatekeeper entwickelt wurde, und herausfinden, wie sie Jugendliche dabei unterstützen kann, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und sich wirkungsvoll in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Ziel des Workshops ist es, die einzigartigen Herausforderungen und Potenziale von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte zu beleuchten und gemeinsam zu überlegen, wie diese in einer Kultur der Digitalität besonders berücksichtigt werden können. 


4) Kreativwerkstatt: Beteiligungsprojekte mit digitalen Tools

Mit Märthe Stamer und Jan Westermann

Der Workshop bietet die Möglichkeit, kreativ mit anderen Fachkräften darüber nachzudenken, wie zukünftige Beteiligungsprojekte im eigenen Wirkungsfeld mit digitalen Aspekten bereichert und ergänzt und andere oder neue Zielgruppen in die Prozesse eingebunden werden können. Es besteht die Möglichkeit, eigene Themen aus dem Berufsalltag mitzubringen und zur Diskussion zu stellen.



Unsere Expert_innen


Wiebke Appeldorn ist Bildungsreferentin in der HÖB e. V. in Papenburg und Projektmitarbeiterin in der „Akademie für Kinder- und Jugendparlamente“ am Standort Niedersachsen. Gleichzeitig ist sie Mitglied im Stadtrat der Stadt Papenburg und war vorher bereits viele Jahre im dortigen Jugendparlament aktiv.


Anna Grebe (Dr.in phil.) ist Beraterin, Moderatorin und Speakerin im Bereich Medien, Politik und Partizipation mit einem Schwerpunkt in Jugendpolitik, Jugendbeteiligung und der Zukunft des Engagements. Sie unterstützt Verbände, Vereine und Politik bei der Strategie-Entwicklung und in der politischen Kommunikation, lehrt als Hochschuldozentin für Medien und Gender u. a. in Berlin und Jena und setzt sich ehrenamtlich für guten Jugendmedienschutz ein.

Weitere Infos: https://www.annagrebe.de


Cathleen Grunert ist Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Soziokulturelle Bedingungen von Erziehung und Bildung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie hat einen Forschungsschwerpunkt in der Jugendforschung. Insbesondere geht es ihr dabei um Fragen sozialer Ungleichheit in den Lebensrealitäten und Alltagspraktiken von Jugendlichen, die sie aktuell bezogen auf Partizipation und Engagement, politische Sozialisation und kulturelle Bildung bearbeitet. Regionale Bedingungsgefüge und Digitalisierungsfragen sind darin eine zentrale Querschnittsperspektive.

Weitere Infos: https://paedagogik.uni-halle.de/arbeitsbereich/sozkult_erzw/team/grunert/


Mechtild Möller ist Politische Bildungsreferentin und stellvertretende Leiterin der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) in Papenburg. Sie ist Projektkoordinatorin der „Akademie für Kinder- und Jugendparlamente“ am Standort Niedersachsen. Zudem verantwortet sie den Fachbereich „Junge Erwachsene“ und arbeitet zu den Themenfeldern Demokratiebildung, Mitbestimmung und Partizipation.

Weitere Infos: https://www.hoeb.de/projekte/akademie-fuer-kinder-und-jugendparlamente-projektstandort-in-niedersachsen/


Julia Paulsen arbeitet als Sozialarbeiterin beim Landkreis Hildesheim und darf das Jugendparlament begleiten.


Maik Rauschke – Leitung AWO Kinder- und Jugendzentrum Schiene in Braunschweig.

Aufgewachsen mit C64 und „kopierten“ Disketten, Sozialarbeiter mit Medienschwerpunkt, seit ca. 25 Jahren in der Arbeit mit Medien in der OKJA, freier Medienreferent und Elternmedientrainer. Mitglied im AK Medien Niedersachsen. 

Weitere Infos:

David Salim ist Gründer und Geschäftsführer von MyGatekeeper, einem gemeinnützigen Unternehmen mit Sitz in Hannover. Neben den Aufgaben der Geschäftsführung befasst er sich in erster Linie mit der Durchführung von Fortbildungen, Workshops und Projekten zu den Themen Medienkompetenz, Politische Bildung sowie zu bildungsbezogenen Schnittstellenthemen, die sich mit den Herausforderungen der digitalen Transformation beschäftigen. Der 38-Jährige hat einen Lehrauftrag an der Universität Göttingen und leitet dort regelmäßig Seminare für Lehramtsstudierende. David Salim hat Internationales Informationsmanagement studiert und sich dabei besonders auf die Bereiche Politikwissenschaften und Psychologie konzentriert.

Weitere Infos: https://mygatekeeper.de


Simone Sommerfeld Dipl.-Sozialpädagogin, seit über zwanzig Jahren in der Kinder- und Jugendarbeit tätig, u. a. Leitung Jugendhaus, Kreisjugendpflege und Bildungsreferentin beim Kreisjugendring, seit Februar hauptamtlich für die LAG OKJA Niedersachsen tätig. Schwerpunkte der Arbeit: Lobbyarbeit für die Offene Kinder- und Jugendarbeit und Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung.


Märthe Stamer ist Sozialarbeiterin, politische Bildnerin und Geschäftsführerin des Landesjugendrings Niedersachsen e. V. Ihre Schwerpunkte sind Jugendverbandsarbeit und politische Bildung.


Lena Stelling ist Gründerin des PLING Kollektivs für politische Bildung und Projektkoordinatorin für die „Akademie für Kinder- und Jugendparlamente“ am Standort Hamburg. Außerdem ist sie als Trainerin für Jugendbeteiligung im beWirken-Netzwerk aktiv und hat im letzten Jahr die digitale Wahl des JuPa Hildesheim mit der App „askit“ begleitet.

Christoph Truthe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Soziale Arbeit und Digitalisierung an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der HAWK Hildesheim. Er war zuvor in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit einem medienpädagogischen Schwerpunkt tätig. Aus der Praxis heraus ist das Projektseminar „Digitale Medien in der Sozialen Arbeit“ an der HAWK Hildesheim entstanden, welches seit fünf Jahren Studierende dabei unterstützt, medienpädagogische Projekte in den vielfältigen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit im Raum Hildesheim/Hannover zu planen und umzusetzen.


Björn von Lindeiner – Medienpädagoge im Bereich Jugend der Stadt Hildesheim – digitale Projekte für Schulen und Jugendzentren.

Weitere Infos: Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit für Schulen [padlet.com]


Jan Westermann Stadt Braunschweig, Abt. Jugendförderung, Kinder- und Jugendbeteiligung und Moderator für Kinder- und Jugendbeteiligung.


Guter Umgang auf der Tagung

Wir freuen uns auf den Fachtag digitale Jugendbeteiligung und den Austausch mit Ihnen!

Unser Ziel ist, dass sich alle Anwesenden wohlfühlen. Im Rahmen des Fachtags kann es dazu kommen, dass über Diskriminierungen und Diskriminierungserfahrungen gesprochen wird; dabei kann es (selbst ungewollt) zu diskriminierendem Verhalten kommen. Daher bitten wir alle Teilnehmenden, sensibel zu sein und aufeinander zu achten. Formen von Diskriminierung wie unter anderem Rassismus, Sexismus, Ableismus, Antisemitismus oder Homo- und Transfeindlichkeit werden auf dem Fachtag nicht toleriert.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, Teilnehmende von der Veranstaltung auszuschließen, wenn diese durch ihr Verhalten – zum Beispiel durch rechtsextreme, rechtspopulistische, rassistische oder antisemitische Äußerungen – die Tagung grob oder wiederholt stören.


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