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2027 AS-4
Den Kurs halten. Therapeutische Navigation in der differenzierungsbasierten Sexualtherapie mit Paaren.
Online | 22.–23. März 2027
Differenzierungsbasierte Sexualtherapie mit Paaren bedeutet weit mehr als das Anwenden einzelner Interventionen. Im Mittelpunkt steht die therapeutische Prozessführung – die Fähigkeit, den therapeutischen Prozess zielgerichtet zu steuern und den Kurs der Differenzierung auch in komplexen Gesprächen konsequent beizubehalten.
Nicht die Intervention gibt die Richtung vor, sondern die therapeutische Vision einer differenzierteren Partnerperson. Interventionen sind die Navigationsinstrumente, mit denen Therapeut*innen diesen Entwicklungsprozess Schritt für Schritt begleiten.
Eine therapeutische Vision beschreibt die innere Vorstellung der Therapeut*in davon, wie eine Partnerperson handeln, fühlen, im Kontakt mit der Partnerperson bleiben und Sexualität gestalten würde, wenn sie sich differenzierter regulieren könnte. Sie ist der Kompass der therapeutischen Prozessführung. Aus ihr ergeben sich die therapeutischen Ziele, die Auswahl der Interventionen und der nächste Entwicklungsschritt. Sie hilft, den roten Faden nicht zu verlieren und jede Intervention konsequent auf Selbstdefinition, Eigenverantwortung und Differenzierung auszurichten.
Gerade in der Sexualtherapie entstehen immer wieder neue Themen, Emotionen und Paardynamiken. Therapeutische Prozessführung bedeutet, sich davon nicht vom Kurs abbringen zu lassen. Statt auf jede neue Dynamik zu reagieren, bleibt die Therapeut*in an der Entwicklung der jeweiligen Partnerperson orientiert und führt den Prozess konsequent in
Richtung Differenzierung weiter.
Im Seminar werden die bekannten Interventionen der differenzierungsbasierten Paar- und Sexualtherapie wiederholt, vertieft und hinsichtlich ihrer therapeutischen Zielsetzung weiterentwickelt. Dabei steht nicht die Frage im Vordergrund, welche Intervention angewendet wird, sondern warum sie genau an dieser Stelle eingesetzt wird, wohin sie führen soll und wie der eingeschlagene Kurs der Differenzierung konsequent gehalten werden kann.
Die Teilnehmenden lernen,
- eine therapeutische Vision für jede Partnerperson zu entwickeln und daraus einen klaren therapeutischen Kurs abzuleiten.
- Sicherheit in der therapeutischen Prozessführung zu gewinnen.
- den roten Faden der Differenzierung auch in komplexen Gesprächen konsequent beizubehalten.
- Interventionen als Navigationsinstrumente gezielt einzusetzen: Wo will ich mit dieser Frage hin? Warum genau jetzt? Was soll dadurch sichtbar werden?
- Antworten nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt weiterer Differenzierungsarbeit zu verstehen.
- die Spur der Differenzierung aufzunehmen und konsequent weiterzuverfolgen.
- den therapeutischen Fokus bei der jeweiligen Partnerperson zu halten und nicht vorschnell zur Partnerperson oder zur Paardynamik zu wechseln.
- therapeutische Spannung auszuhalten und produktiv zu nutzen, bis neue Selbstdefinitionen entstehen können.
- Interventionen bis zu ihrem differenzierungsfördernden Kern weiterzuführen.
- herauszuarbeiten, wie Menschen ihr Selbst über Leistung, Zustimmung, Bestätigung, Kontrolle, Vermeidung, sexuelle Funktion und/oder Begehrt-Werden-Wollen zu regulieren versuchen.
- das gespiegelte Selbst als zentrale Organisationsform sexueller Probleme zu erkennen und therapeutisch zu bearbeiten.
Im Mittelpunkt stehen typische sexualtherapeutische Themen wie Unterschiede im sexuellen Verlangen, sexuelle Leistungsorientierung, Erektions- und Orgasmusstörungen, sexuelle Unlust, sexuelle Vermeidung sowie die Frage, wie sexuelle Symptome zur Regulation des Selbst eingesetzt werden.
Anhand praxisnaher Fallbeispiele und Rollenspiele wird nachvollzogen, wie aus einzelnen Interventionen ein stringenter Differenzierungsprozess entsteht. Ziel ist es, therapeutische Sicherheit darin zu entwickeln, den Kurs der Differenzierung auch dann beizubehalten, wenn sich neue Themen, starke Emotionen oder Paardynamiken eröffnen.
Das eigentliche Therapieziel ist dabei nicht die Beseitigung sexueller Symptome, sondern die Entwicklung eines differenzierteren Selbst. Eine erfüllendere Sexualität ist die Folge von Selbstdefinition, Eigenverantwortung und persönlichem Wachstum.
Zielgruppe
Das Seminar richtet sich an Kolleg*innen und Therapeut*innen, die das Curriculum Paartherapie oder Sexualtherapie mit Paaren besucht haben, sowie an Interessent*innen an der differenzierungsbasierten Paar- und Sexualtherapie, die ihre therapeutische Prozessführung vertiefen und mehr Sicherheit in der therapeutischen Navigation gewinnen möchten.
Termin
22.–23. März 2027 jeweils von 10-18:30 Uhr sowie das dazugehörige Onlinetraining am 25.3.2027 von 9-12:30 Uhr
Format
Online
Dozentin
Carlotta Baehr, systemische Familien-, Paar- und Sexualtherapeutin, Supervisorin der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Hannover
Was noch wichtig ist
Umfang: 20 Unterrichtseinheiten a 45 Minuten pro Seminarblock.
Kosten: 490 €, 475 für DGVT-Mitglieder, 460 € bei Buchung vor dem 1.10.2026
Die Zertifizierung ist bei der Psychotherapeutenkammer Berlin beantragt. Erfahrungsgemäß entspricht die Zahl der Fortbildungspunkte der Zahl der Unterrichtseinheiten.